Adipositas

Ich definiere Adipositas

Adipositas – das ist der Fachbegriff für das Hauptthema dieser Website. Fettleibigkeit, Fettsucht oder Obesitas sind für uns Leidtragende leere Vokabeln, die für die Krankheit dahinter verwendet werden.

Die Gesellschaft findet blumigere Darstellungen: Fette Tonne, Fettsack, »Deutsche Panzer rollen wieder«, Kotelettefriedhof, Fleischklops, Fresssack, Fettfresse, Specki Buletti, Pudding Dampfer und die Liste könnte seitenweise weitergehen.

Mobbing? Gesellschaftlich akzeptiert!

Wir reden hier also über eine Krankheit, bei der das Mobbing Betroffener gesellschaftlich hochgradig akzeptiert ist.

Adipositas mit all ihren Facetten »studiere« ich unfreiwillig mit einem Platz in der allerersten Reihe seit vierzig Jahren. Die gesellschaftlichen Auswirkungen spüre ich etwa seit meinem fünften Lebensjahr. Ich bin jetzt vierzig, nur falls du fragen wolltest.

Gehört auf eine Website über Adipositaschirurgie und extremes Abnehmen die Definition »unserer« Krankheit überhaupt dazu?

Eine schnelle google Suche zeigt, dass von Wikipedia über die Internetangebote der Krankenhäuser und einiger Adipositas Selbsthilfegruppen die Begriffsdefinition üblich ist, meist relativ »nüchtern« im Stil eines fachlichen Infotextes daherkommt.

Aber beschreibt der Adipositas wirklich treffend?

Was wir über starkes Übergewicht wirklich wissen

Adipositas.
  Wissenschafts Thriller.

Adipositas Wissenschaft

Adipositas – eine Metapher

“Mit dröhnendem Herzschlag starre ich in die Dunkelheit. Wie jede Nacht lauere ich darauf, dass es sich zeigt.
Da draußen ist etwas – Ich weiß nicht, was es ist, aber es ist da.
Manchmal macht es mir Angst, manchmal macht es mich neugierig. Und sehr oft furchtbar wütend!

Endlich.

Es bewegt sich in den Schatten, ein kurzer Lichtkegel erhellt eine Ecke des Raums. Ich sehe hin und versuche, etwas zu erkennen. Für einen Moment blitzt eine Silhouette aus dem Schwarz, bevor sie zerfällt. Die Wände flüstern, dann schweigen sie.

Dieses Haus beschreibt den aktuellen Stand der Wissenschaft im Bereich der Adipositas: Es ist überfüllt mit flüsternden Mauern, mit Schatten und dunklen Ecken, in denen ein schwacher Lichtschein einzelne Räume für Sekunden erhellt. Hypothesen und Theorien reihen sich aneinander und verstecken sich vor allem vor der »restlichen« Welt, für die diese Dunkelheit nicht existiert.”

Auszug aus “Adipositas – Die missverstandene chronische Krankheit als Stigma”

Wahrnehmung von Adipositas in der Öffentlichkeit

Adipositas?
  Selber schuld!

Adipositas – selbst gewähltes Schicksal.

“Iss weniger, beweg dich mehr!”

Außerhalb wissenschaftlicher Kreise ist Adipositas überhaupt nicht rätselhaft. Der »Normalo« zelebriert seine Idee von Kalorienbilanzen, Völlerei und Trägheit. Leichtfertig schiebt er die »Schuld« für das Übergewicht dem Betroffenen zu.
»Iss weniger, mach mehr Sport!« Und »Selbst schuld!«, definieren Adipositas und besiegeln oft das Schicksal von uns Dicken.

Das Gesetz der Thermodynamik widerlegt finales »Argument« gegen Adipositas als Krankheit.

Die »Intellektuellen« zitieren das Gesetz der Thermodynamik und beenden mit ihrer beschränkten Interpretation dieses zutreffenden! Naturgesetzes jede Suche nach dem Monster, das sich in den Schatten versteckt.
Adipositas wird zum »Stigma«, zu einer Persönlichkeitsschwäche, einer individuellen Entscheidung. Sie verkörpert die Faulheit und Verfressenheit einer Zivilisation und rechtfertigt kontinuierliches Mobbing und Ausschluss aus der Gesellschaft.

»Selbst gewähltes Leid!«, ist einer der häufigsten Kommentare zu einem meiner Posts auf Instagram zum Thema Adipositas.
Die Negativbeiträge auf Youtube erzeugen ein ähnliches Bild der gesellschaftlichen Wahrnehmung von starkem Übergewicht. Nicht zuletzt Boulevard Volksunterhaltung wie Biggest Loser oder Mein Leben mit 300 Kilo stützen diese Annahme mit ihrem Irrsinn.

Adipositas – eine Volkskrankheit

Adipositas.
  Wir sind alle ein bisschen fett.

50% der Europäer übergewichtig!

Die Realität von Übergewicht und Adipositas

Über die Hälfte der Erwachsenen in Europa ist übergewichtig und jeder Fünfte gilt als adipös. Seit 1980 haben sich die Zahlen verdoppelt! Eins von drei Kindern ist bereits mit 11 Jahren übergewichtig oder fettsüchtig. Diese Werte liefert die Welt Gesundheitsorganisation 2013. Das Statistische Bundesamt meldet am Welt Männertag 2018 »62% der erwachsenen Männer sind übergewichtig!«.

Übergewicht ist das neue Mittelmaß!?

Übergewicht und Adipositas sind mittlerweile die Norm, nicht die Ausnahme! Die WHO redet seit 2008 von einer Pandemie. Eine Pandemie ist die Ausbreitung einer Krankheit über Länder und Kontinente hinweg.
Willensschwäche und Verfressenheit breitet sich also unkontrolliert aus? Oder steckt doch mehr hinter Fettleibigkeit als mutwillig steuerbares »Zuviel« an Essen?

Sind wir alle Versager?

Über die Hälfte der Bevölkerung Europas ist nicht in der Lage, weniger zu futtern und sich mehr zu bewegen? Bei den Amerikanern sind es 60% – und die Werte steigen international konstant. Betroffen sind nicht nur die »reichen Nationen« mit Überfluss. Tatsächlich tritt Adipositas in sozial schwachen Gebieten und in Familien mit geringem Bildungsstand und Einkommen proportional häufiger auf. Die Theorie der Wohlstandskrankheit wackelt ganz schön.

Adipositas.
  Ein Beispiel.

Meine Wahrheit über Adipositas.

Ist Adipositas vom Kindheitsalter an ein »selbst gewähltes Leid«?

Werden wir persönlich: Bereits im Kleinkindalter war ich dick. Das wollte ich natürlich so! Ich wachte eines Morgens in meinem Kinderbettchen auf und dachte mir, hey, warum nicht als Erwachsene 300 Kilo wiegen?!

Der beste Weg in eine fettsüchtige Zukunft ist eine Kindheit mit Übergewicht, das ist nicht abzustreiten. Laut WHO werden 60% der »dicken Kinder« auch im Erwachsenenalter unter Übergewicht oder Adipositas leiden. Meistens passt die einfache Beobachtung: Je dicker als Kind, je fetter als Erwachsener.

Adipös in der Grundschule – das Geheimrezept für Mobbing, körperliche Übergriffe und verbale Angriffe durch Mitschüler und Lehrpersonal. Soziale Abwertung und tägliche Bauchschmerzen. Kombiniert mit der grundsätzlichen Annahme von Dummheit und einer Herabwürdigung der Leistung wegen »Hässlichkeit« – ist das der Wunsch eines jeden Kindes!?

»An dicken Kindern sind die Eltern Schuld!«

Dicke Mutter, dicke Großmutter = fettes Kind, ist doch klar. Die essen eben alle falsch?! Eng wird es nur, wenn diese Logik die schlanken Geschwister und den normalgewichtigen Vater erklären soll. Die ohnehin dünnbeinige Hypothese steht dann schlotternd auf ihrem einen Beinchen und hüpft mühevoll den anderen Lemmingen hangabwärts hinterher.

Wie wahrscheinlich ist es, dass Mama und ich immer die Nudeln, das Weißbrot und die Zuckerbrause schlabberten – während meine Geschwister und der Papa das Gemüse, das magere Fleisch und das Mineralwasser kriegten?

Ja, unsere familiäre Ernährung damals ist aus ernährungswissenschaftlicher Sicht der reinste Horror. Zuckerbrause und Zitronentee aus Traubenzuckergranulat, dazu reichlich einfache Kohlenhydrate aus Weißbrot und Nudeln, wenig Eiweiß. Margarine und Pflanzencreme – also künstlich gehärtete Fette – statt Butter oder dem blanken Verzicht auf eine Haftcreme für die Mortadella. Schon klar, Batteriesäure als Brotaufstrich wäre nicht wesentlich schädlicher gewesen. Heute wissen das die meisten Leute – damals in den Achzigern gehörten diese Kunstfette zusammen mit Tütenfertigmischungen aus Geschmacksverstärkern und Farbstoffen in das Haus jeder modernen Hausfrau! “Wir” waren kein Phänomen und meine Mama hat sich Mühe gegeben, den “hauptsache Fettarm” Empfehlungen jener Zeit zu entsprechen!

Als Besuch bei anderen Kindern gab es keine gesündere Küche, sondern genau die gleichen zuckerreichen, stärkelastigen Lebensmittel in künstlichem Pflanzenfett gebadet mit einer Prise Liebe und Vertrauen darin, dass es im Laden nur gesunde Lebensmittel gibt.

Ein furchtbares Umfeld, was das Essen angeht.
Da muss ein Kind doch fett werden?!

adipositas definition individuell

Furchtbare Ernährung? Ja, absolut. Da ist Fettwerden vorprogrammiert? Eben nicht!

Wie ein Körper auf dieses »Umfeld« reagiert, ist individuell verschieden. Diese Reaktion ist keine »Wahl«, die wir treffen. Mit Disziplin oder freiem Willen hat das nichts zu tun. Die Entscheidung wird von interessanten und bisher noch nicht ansatzweise ausreichend verstandenen Mechanismen getroffen, die zum Teil Grund und Thema dieses Blogs sind. Und zack, stehen wir wieder im dunklen Spukhaus und hören die Wände flüstern.

Da ist es wieder, das dunkle Spukhaus!

Die Wände tuscheln im Zwielicht von Epigenetik, von »driftenden Genen«, davon, wie Hormone unsere Energiebilanz, unser langfristiges Körpergewicht und sogar unsere Aktivität und den Antrieb steuern. Keine Energie zum Sport? Ständig mehr Hunger als dein akuter Bedarf an Kalorien erfordert? Das ist keine »Entscheidung« und keine »Schwäche« – es ist ein defektes Steuerungssystem. Meins ist defekt, seit ich denken kann!

So frei, wie wir unseren Willen gern sehen möchten, ist er nicht.

adipositas definition kreuwort

Das sind nur Beispiele, kleine Schatten, die durch die Dunkelheit tapsen. Die meisten Leute suchen einen »Schuldigen« – das mag erklären, warum das Herabwürdigen und Beschimpfen, Ausgrenzen und Mobben von Menschen mit Adipositas gesellschaftlich so akzeptiert ist.

Völlerei und Trägheit sind Todsünden, unmoralisch. Furchtbare Charakterschwächen. Und: Menschen haben es nicht so mit Rätseln. Ganz besonders dann nicht, wenn es sich dabei nicht um das Kreuzworträtsel der Tageszeitung handelt. In Sachen Gesundheit wollen viele eine schnelle Antwort. Deshalb kommen eben Kopfschmerzen vom Wetter und Schlaflosigkeit vom Vollmond. Hohes Cholesterin im Blut kommt aus dem Essen und verursacht Herzinfarkt. Falsches, Halbwahrheiten und Aberglaube in Kombination. Dazu noch Biggest Loser zur Abendunterhaltung und wir sind vorbereitet auf die Vampirapokalypse.

Suchst du eine Lösung oder einen Schuldigen?

Adipositas.
  Es geht nicht um Schuld.

Solange wir einen Schuldigen suchen, finden wir keine Lösung!

Es ist auch bei Adipositas nicht anders wie bei allen großen Themen im Leben: Wir können erst eine Lösung finden, wenn wir aufhören, einen Schuldigen zu suchen! Und zu allerst müssen wir dazu aufwachen und die alten Vorurteile hinter uns lassen.

Erinnerst du dich an eine der Schlüsselszenen im Film »Matrix«?

Morpheus bietet Neo die Wahl, weiterzuleben wie bisher, in einer Illusion, einem Traum, der sich wie die Realität anfühlt. Oder aufzuwachen und anzufangen, die Wahrheit zu erforschen.

»Das ist deine letzte Chance. Danach gibt es kein Zurück. Nimm die blaue Pille – die Geschichte endet, du wachst in deinem Bett auf und glaubst, was du auch immer glauben willst. Nimm die rote Pille – du bleibst hier im Wunderland und ich werde dir zeigen, wie tief das Kaninchenloch reicht.«

»Was ist die Matrix?«, fragt Neo Morpheus und heute antworte ich für ihn.

Die Matrix für die Krankheit Adipositas ist der öffentliche Dornröschenschlaf, der die Realität des krankhaften Übergewichts in eine reine Charakterschwäche übersetzt.
Kalorienzählen und Sport sind in dieser Welt ein wirksames Mittel zur langfristigen Gewichtsabnahme. Sie wirken nicht nur im Vakuum weniger Wochen oder Monate – abhängig vom Durchhaltevermögen und der individuellen »Art« der Adipositas des Betroffenen und ein Rückfall ist nur auf den »Patienten« zurückzuführen.

Unsere Illusion

In dieser Illusion wissen wir, dass die Schuld für Übergewicht allein beim Betroffenen liegt. Ein bisschen Sport, ein bisschen Kalorienzählen – und die Sache läuft. Es kommt schließlich nur auf die Kalorienbilanz an. Ein wenig Disziplin und zack, dünn. Wer dick bleibt, hat eben versagt. Total einfach, oder?

Heute sage ich dir, nach einer Abnahme von knapp 200 Kilo und meinen Jahren in der Arbeit mit Betroffenen, in denen ich tausende Schicksale und Menschen kennengelernt habe – mit ihren Ernährungsprotokollen und individuellen Blutwerten – Adipositas ist so viel mehr als eine »willentlich erzeugte« positive Energiebilanz.

Adipositas ist mehr als die Garantie auf Mobbing, Diskriminierung und Schmerzen im Alltag. Adipositas ist mehr als schnödes “zuviel Essen”.

Nicht nur in meiner eigenen Geschichte, in der »Nicht-Kalkulierbarkeit« von Gewichtsabnahmen in der Praxis, sondern auch in euch allen sehe ich immer wieder neue Facetten der rätselhaften Schattenfigur aus unserem dunklen Haus von vorhin.

Einige sind wie ich von Kindheit an der oder die »Dickste«. Andere nehmen in der Pubertät zu, wieder andere nach der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren. Es gibt Menschen, bei denen die Suchtkomponente eine enorme Rolle spielt, und eben jene, wo sich keine Sucht nach Essen feststellen lässt.

In der Ernährungsberatung fand ich besonders interessant, dass Menschen mit starkem Übergewicht und Menschen mit unfreiwilligem Untergewicht ähnliche Geschichten erzählten – nur mit unterschiedlichen Folgen. Der Geisterjäger in mir sagt, wir haben es mit dem gleichen Geist zu tun – er spukt nur in jedem Haus anders.

Es gibt zu Adipositas weit mehr unbeantwortete Fragen als valide Antworten.

Am Ende bleibt der Kampf gegen die chronische Krankheit Adipositas ein Vortasten und Ausprobieren. Vielleicht reicht eine Ernährungsumstellung und eine aktive Lebensführung – oder du brauchst Hilfe vom Adipositaszentrum.

Der BMI entscheidet über Adipositas

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Was Betroffene über Adipositas sagen

Das wahre Gesicht

von Adipositas

Adipositas ist für mich: Nicht in Stühle passen. Angst haben, dass der Stuhl unter einem zusammenkrachen kann. Keine Kleidung finden. Froh sein, wenn man im Flugzeug keinen Extender braucht, weil der Gurt lang genug ist. Bequem sitzen und liegen ist nur in den komischsten Positionen möglich. Beweglichkeit ist total eingeschränkt. Nicht als Mensch wahrgenommen werden, nur als dick.

Sterndli98

Mal abgesehen von den ganzen körperlichen Einschränkungen ist Adipositas für mich eine riesige psychische Einschränkung. Sich immer wieder erklären zu müssen. Immer wieder als faul und gefräßig abgestempelt zu werden. Und auch von den Ärzten überhaupt nicht ernst genommen zu werden. Wie oft bin ich schon bei Ärzten gewesen, die mich entweder sofort zur Kur schickten wollten oder die meine Schmerzen einfach nur abgetan haben, in dem sie es sofort auf mein Gewicht geschoben haben. Egal, ob ich mich vorher verletzt hatte oder nicht. Immer wieder wird man angestarrt und beschimpft, manche sogar tätlich angegriffen, weil man nicht dem Schönheitsstandard entspricht.

Und immer wieder musste ich mir anhören,, dass ich an allem selbst Schuld bin, da es ja keine Krankheit, sondern nur mein Verhalten ist, was mich zu dem hat werden lassen, was ich bin.

Kanga8778

Für mich bedeutet Adipositas einen jahrzehntelangen Kampf, circa 30 Jahre “Diät”. Immer und immer wieder die gleichen Kilos ab- und zuzunehmen und noch viel mehr. Nicht mehr in der Gesellschaft als “normal” angesehen zu werden sondern immer überall die Dickste in der Runde zu sein. Sich beobachtet fühlen, jedes Foto von Partys und von sich selber zu hassen. Ein ständiger Kampf gegen sich selbst. Und alle denken, man ist einfach nur zu schwach und hat keine Disziplin. Wenn diese Leute nur wüssten, wie diszipliniert man ist, in dem man jeden Tag von vorn beginnt, Jahr für Jahr, immer bemüht, es irgendwie zu schaffen, abzunehmen.

Yves Magenbypass 2019

Adipositas bedeutet für mich in fast allen Bereichen des Lebens als Mensch zweiter Klasse behandelt zu werden. Gerade da wo wir Hilfe brauchen, werden wir oft abgestempelt. Ärzte schieben alles auf das Gewicht, gehen so gut wie nie davon aus, dass andere Probleme hinter den Symptomen stehen. Oft wird man erst behandelt, wenn man abgenommen hat. (…)

Adipositas bedeutet für mich den Verlust des Vertrauens in Ärzte. Angst vor Terminen und wieder nicht ernst genommen zu werden. Und dabei immer dieser Schubladenblick: Ja einfach weniger fressen, dann kann man auch abnehmen. Adipositas hat so viel Schamgefühl, Trauer, Verzweiflung, Wut und Machtlosigkeit in mir ausgelöst, dass die nüchterne Wikipedia Beschreibung zu Adipositas für mich schon fast nichtssagend ist.

Kattaconfatty

Es (Adipositas) schränkt einen in jeder Lebenssituation ein. Sei es Erkrankungen wie Gelenkschmerzen. Oder das Leben mit den Kids. Man kann nicht mir ihnen auf dem Spielplatz herumtoben – oder man muss ihnen erklären, warum Mama nicht schwimmen gehen möchte. Schämt sich und hat Angst, dass die Kids geärgert werden, deine Mama ist aber dick oder so.

Man verliert die Lust an Freizeit Aktivitäten mit den Freunden, vertröstet sie jedes Mal, wenn sie ausgehen möchten. Man traut sich einfach nirgends hin aus Angst, angestarrt zu werden. Man möchte keine Kleidung mehr kaufen, weil ja sowieso nichts passt. Ich bin nun über sechs Jahre mit Leggings rumgelaufen. Genauso wie das Liebesleben darunter leidet, weil man sich selbst im Körper nicht wohlfühlt. (…)

Eulette88

Übergewicht tötet Menschen. Übergewicht ist für mich gleich Stillstand im Leben. Ich habe jetzt mit meinem Höchstgewicht aufgehört, am Leben teilzunehmen, weil ich es nicht mehr kann. Ich habe jeden Tag Schmerzen, habe keine Freude mehr, da ich mich vor zwei Jahren derart zurückgezogen habe. Ich kann meinen Job nicht mehr ausüben und bin arbeitsunfähig. Übergewicht zwingt einen in sein persönliches Gefängnis, in dem man meistens Jahre verbringt, bevor man den Schlüssel findet oder jemand einen Schlüssel reicht (Notausgang OP).

Krissis.neues.leben

Adipositas bedeutet für mich Mobbing seit Beginn der Schule durchgehend. Schlecht im Sport, die letzte, die in die Mannschaft gewählt wird. Adipositas behindert mich seit dieser Zeit. Ich kann nicht anziehen, was andere anziehen. Ich fühle mich sehr oft minderwertig. Durch Adipositas könnte ich nie das gleiche machen wie Schlanke. Einfach nicht so mithalten. Ich habe mich immer und immer wieder unwohl gefühlt und mein Gewicht hat mich besonders kurz vor OP stark eingeschränkt.

Mit Höchstgewicht wollte ich nichts mehr mit Mann und Kind unternehmen. Es hat ziemlich viele Beschwerden gemacht und ich konnte wieder nicht mit meinem Kind mithalten. Ich habe mich dann unheimlich geschämt, eine so dicke Mutter zu sein.

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Adipositas ist oft sehr ungern in der Gesellschaft gesehen. Man wird beobachtet, ausgelacht, es wird getuschelt. Mobbing ist oftmals vorprogrammiert. Sobald man nicht der Norm entspricht, wird man als unnormal und faul betitelt. Man kann nicht das tun, was “normale” Menschen tun. Sei es in den Freizeitpark gehen (zu dick für die Fahrgeschäfte), sei es ein Eis essen gehen (viel zu enge Stühle). Im Schwimmbad fühlt man sich in Dauerbeobachtung. Man hat das Gefühl, jeder redet über dich. (Adipositas bedeutet für mich) Mit den Kindern im Indoorspielplatz nicht spielen können, weil man zu schwer für die Hüpfburg und Co. ist. Die traurigen Gesichter der Kinder, weil Mama so viel nicht kann.

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Adipositas bedeutet für mich, sich ständig zu entschuldigen. Mit allem anderen kompensieren zu müssen, da man auf dem Gebiet “Körper” versagt hat. Ständig Angst zu haben, dass ein Stuhl nicht hält, der Aufzug “überladen” anzeigt, der Arzt eine Erkältung aufs Gewicht schiebt, ausgelacht werden. Vieles an Bewegung nicht machen zu können. In keine Cafes gehen zu können, wenn die Tische eng gestellt sind. Bei anderen Krankheiten hat die Gesellschaft Verständnis, nicht jedoch bei Adipositas. Da ist man “selbst schuld” und darum freigegeben für Angriffe und sehr viele Blicke.

rina_mit_schlauchi

Ich selbst bin nicht betroffen aber mein Papa. Und ich muss mich jedes Mal zusammenreißen, nicht zu weinen, wenn ich sehe, wie schlecht es ihm geht. Welche Krankheiten er dadurch bekommen hat und wie sehr er leidet. Gerade auch für die Familie ist es mehr als nur ein hoher BMI und Übergewicht. Für die Familie ist es genauso ein Kampf jeden Tag aufs Neue wie für den Betroffenen. Es ist ein Kampf gegen etwas, gegen das man nur schwer gewinnen kann.

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Adipositas: Es bedeutet Mobbing ein Leben lang! Ein kaputter Körper in meinem Fall, starke Gelenkschmerzen, Bandscheibenvorfall. Als Jugendliche Magengeschwüre durch das Mobbing. Krebs bekommen und auch bekämpft. Depressionen. Aber irgendwie wird man dadurch auch eine Kämpferin, auch wenn man oft nicht mehr kann.

lilienfee69

45 Jahre Adipositas Grad III waren meine ganz persönliche Fetthölle! Immer am Rand der Gesellschaft, ausgegrenzt, gemobbt, unterschätzt, für faul und dumm erklärt worden. Seit ich nicht mehr adipös bin fühle ich mich zum ersten Mal im Leben frei. Ich kann in der Öffentlichkeit essen, ohne angeglotzt zu werden. Ich werde freundlich behandelt und niemand rückt einen Meter weiter weg oder rümpft die Nase …

Sonja

Adipositas bedeutet für mich das in eine Schublade gesteckt werden. Alle über einen Kamm scheren. Ein Freifahrtsschein für viele Menschen, einen grundlos zu beleidigen und als Menschen zweiter Klasse zu behandeln. Adipositas hat bei mir auch oft zu falscher Behandlung beim Arzt geführt, da meine Beschwerden immer nur mit “dann müssen Sie halt mal ein paar Kilo abnehmen, dann wird das wieder” beantwortet wurden. Adipositas hat mich fast an den Rande der Verzweiflung und fast in den Suizid getrieben. Ich habe mich von allem abgeschottet und mochte nicht mehr rausgehen. (…)

Julesbro

Was bedeutet Adipositas für mich? Als ich noch dick war, hab ich das selber nicht gesehen. Deswegen bedeutet Adipositas für mich in erster Linie ein falsches Eigenbild und falsche Selbstwahrnehmung. Ich war nicht ich.

Rückblickend ist Adipositas heute für mich (auf mich bezogen) fett, unbeweglich, Fressanfälle, einkauf in Übergrößen, in der Gesellschaft nicht akzeptiert, jeder sagt einem “du bist zwar dick – aber du bist nett und hast ein hübsches Gesicht”, eingeschränkte Bewegung, Mobbing, für Dumm verkauft, Schamgefühl, Frust … Ich möchte nie mehr da hin, wi ich war. Heute weiss ich, ich habe die ganzen Jahre nur mich selbst belogen und mir eingeredet, ich sei glücklich mit fast 140 kg.

Marcella

Adipositas: Es ist so viel Schlechtes. Ständig eingeschränkt sein in dem, was man tut, wenn man es denn überhaupt schafft, etwas zu tun. Ständige Schmerzen irgendwo. Seien es die Gelenke, der Rücken oder Kopfschmerzen. Jedesmal zu überlegen “Oh, pass ich da jetzt in den Stuhl rein?” Ich darf mich bloss nicht aufs Kinderbett setzen, sonst kracht es wieder zusammen. Die Kinder vertrösten zu müssen, dass man jetzt aufgrund eigener Schmerzen oder Unbeweglichkeit nicht mit ihnen Fahrrad fährt oder Rollschuhe. Oder man verkneift sich wieder eine Wandertour. Adipositas ist ein Lebenskiller für mich. Man quält sich durch den Tag und ich persönlich versuche, es mir nicht anmerken zu lassen. Die Kinder leiden da schon genug darunter.

atasia2006

Auf einen Blick

Adipositas.
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