Ist die lose Haut nach dem Abnehmen schlimmer, als dick zu sein?

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Der Hautüberschuss sorgt Mal wieder für Aufregung um Hühnerstall

Hautüberschuss macht unglücklich?

Heute Morgen hat mich eine Nachricht erreicht, die mich nachdenklich macht.

»Wenn ich die Hautfalten bei dir sehe, traue ich mich nicht, abzunehmen. Ich habe nur siebzig Kilo Übergewicht und so will ich am Ende nicht aussehen.«

Ich möchte heute mit euch über die lose Haut sprechen. Eine Abnahme von bisher 193 Kilo hinterlässt ihre Spuren. (Anmerkung 19. April: Mittlerweile sind es 200 kg Abnahme). Spuren, auf die ich stolz bin und in meinen Augen weder hässlich noch beschämend sind.

Meine Hautlappen sind die Narben, die der Kampf gegen einen übermächtigen Gegner hinterlassen hat. Sie schmerzen beim Sport, die Wunden und Risse in der Haut entzünden sich und ich muss dann oft täglich zum Arzt, damit sie unerreichbaren Stellen professionell verbunden werden.

Das nervt, das tut weh – das ist zweifelsfrei nicht schön.

Damit enden die Schattenseiten der Hautlappen aber für mich. Sie gehören zu mir und meiner Geschichte – sie erinnern mich daran, dass ich selbst in der 10 XL Hülle geliebt und respektiert wurde und auch jetzt weder weniger noch mehr liebenswert bin.

Was mich ausmacht, ist in mir drin und es scheint nach außen, egal ob ich an die 300 Kilo Marke klopfe, ob ich Hautlappen trage und Falten werfe oder eben, ob ich »normal« erscheinen werde.

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Hautlappen nach Gewichtsabnahme sind normal

 

Aussehen ist »außen«. Ich bin nicht meine Hülle, ich lebe in ihr!

Der andere Aspekt, der mich an Nachrichten wie dieser wundert, kommt aus einer eigenen Ecke: Selbstwahrnehmung.

Ich traue mich nicht …, weil ich dick bin und mich für meinen Körper schäme.

Eine Nachricht aus dieser Richtung erreicht mich mindestens täglich. Dabei stehen die Punkte für praktisch jeden Bereich des Lebens. Ich traue mich nicht ins Schwimmbad. Mir fehlt der Mut, ins Gym zu gehen. Ich fürchte mich vor dem Vorstellungsgespräch in der neuen Firma. Ich will nicht am Sportunterricht teilnehmen. Ich bin gehemmt beim Sex und will nicht, dass mich mein Sexpartner nackt sieht. Ich finde keinen Partner, weil ich dick bin. Ich bin zu einer Hochzeit eingeladen und möchte ein Kleid tragen – aber traue mich nicht.

Diese Liste könnte ich endlos fortführen. Es ist eine Aufzählung all der Scham und des gesellschaftlichen Drucks, schlank zu sein, um akzeptabel auszusehen. Nachrichten, wie die von heute – »ich hab so Angst vor Hautlappen, dass ich lieber fett bleibe« – erreichen mich ebenfalls häufig.

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Stören die Hautlappen wirklich oder sind sie nur ein Vorwand?

Ist Dicksein plötzlich »in«, weil ich Hautlappen habe?

Wie können diese beiden gegensätzlichen Konzepte gleichzeitig existieren? Ist Dicksein nun doch plötzlich total heiß und super sexy, so dass ein paar Hautlappen – die man gut angezogen nicht unbedingt sieht! – ein echtes Gegenargument gegen Abnehmen darstellen?

Heißt das dann, das meine Hautlappen Bilder dabei helfen, dass Menschen mit Übergewicht und Scham plötzlich die Schamhaftigkeit ablegen, weil ja gefüllte Speckrollen doch geiler sind als leere und nun alles okay ist?

Ist es die heimliche Angst vor dem Scheitern?

Helft mir, das zu verstehen. Ist es unbemerkt nur Muffensausen vor dem eigenen Durchhaltevermögen, es überhaupt zu Hautlappen zu bringen?
Wer kann das nicht nachvollziehen? Da schwebt oft diese schwarze Wolke über unseren Köpfen, die uns zuflüstert, dass wir es nicht schaffen. Weil wir immer alles vermasseln, wenn es um Abnehmen geht. Oder?

Versteckt sich vielleicht genau diese schwarze Wolke hinter der Aussage, lieber mit 150 Kilo durch die Gegend zu wackeln, als mit Hautlappen über das Parkett zu schweben?

Ich weiß es nicht.

Ich finde auch Übergewicht nicht schlimm, wenn man dabei gesund und fit ist. Niemand muss grundsätzlich abnehmen, weil der BMI zu hoch ist.

Verändert das Gewicht die Lebensqualität, führt zu Schnappatmung beim Laufen, hohem Blutzucker, Herzproblemen, Wasseransammlungen z.B. in den Beinen, Depressionen oder anderen Gesundheitsproblemen, sollte die Aussicht auf Hautlappen nicht daran hindern, die richtigen Entscheidungen für das eigene Leben zu treffen.

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Frieden mit dem Körper – das brauchen nicht nur Menschen mit Übergewicht oder nach dem Übergewicht mit Hautlappen. Schlanke Menschen hadern oft genauso mit ihrer “Nicht-Perfektion”.

Was ich euch wünsche

Das wünsche ich allen. Den Mut zu haben, sich nicht hinter Vorwänden zu verstecken und ehrliche, klare Entschlüsse zu fassen.

Bleibt gesund, meine Lieben. Und denkt dran: Eure Hülle ist außen. Sie bestimmt nicht darüber, ob ihr geliebt werdet, oder nicht. Ob ihr ok seid, oder nicht. Ihr entscheidet das!

Was meint ihr zum Thema Hautlappen? Hinterlasst mir gern hier & auf Instagram eure Kommentare und Gedanken über die lose Haut.

Antrag auf Bauchstraffung bei der Krankenkasse unnötig? So geht es ohne Bürokratie?!

Bauchstraffung ohne Antrag bei der Krankenkasse – einfach nur mit Überweisung vom Hausarzt ins Krankenhaus. So einfach ist das?! Oder etwa doch nicht? Der Antrag auf postbariatrische Wiederherstellungsoperationen wie Bauchdeckenstraffung, Oberarmstraffung, Bruststraffung, Thoraxstraffung usw. macht vielen Menschen nach extremer Gewichtsabnahme Angst. Auf Facebook geht ein Merkblatt um, das einerseits wahr ist – andererseits aber in der Realität für 99% der Betroffenen nicht in Frage kommt. Speziell für jene, die es sich besonders wünschen. Das sind die Menschen von uns, die leider von ihrer Krankenkasse bereits eine oder mehrere Ablehnungen ihres Antrags auf Hautstraffungen bekommen haben.

Bauchdeckenstraffung nach 200 Kilo Abnahme – Behind the scenes (OP Fotos)

Bauchdeckenstraffung nach extremem Gewichtsverlust – heute gibt es einen Blick hinter die Kulissen in den OP nach einer Abnahme von 200 Kilo, um eine der häufigsten Fragen zu beantworten: Warum werden nicht mehrere / alle Wiederherstellungsoperationen in einem Durchgang gemacht. Um das nachhaltig zu verstehen, reicht das Bild der tatsächlichen Wundfläche.

Die Wahrheit über meinen Hintern – Hautlappen nach 200 Kilo Abnahme

Alles geschah bei einem Shooting für die Krankenkasse im Oktober. Naiv lüftete ich den Schlüppi vor der Kamera – Details für den Gutachter beim Medizinischen Dienst. Ich wollte veranschaulichen, warum meine Pobacken und Schenkel aneinander reiben – das kann man nämlich von hinten erst Mal nicht erkennen. Meine Pomuskulatur rundet das Lappenkunstwerk nach unten ab und gibt es Fake-Popo den Look eines mondgroßen Hinterns mit einer mondgleichen Struktur.