Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Post auf dem Yourdietangel Blog. Seit den Anfängen meiner Bloggerzeit habe ich eine Menge dazu gelernt. Die alten Inhalte entsprechen nicht mehr zwangsläufig meiner aktuellen Meinung. Der Artikel enthält Affiliate Links / Werbelinks zu Amazon. Er entstand Ende 2013 und ggf. sind Links nicht aktuell, es handelt sich um eine unüberarbeitete Archivseite.

Gisi hat mir gestern auf Facebook gemailt, dass die HCG Diät – mal wieder – ihre Wogen in der Abspeckwelt schlägt und neuerdings ein Trend ist, den einige Fitnesscenter als letzten Schrei bewerben. Ein anderer Name, mit der die HCG Diät ihren Weg durch die Speckringe des Internets und der Medien macht, ist “Hollywood Diät”. Sie wird als Geheimnis der schlanken Figur der Promis angegeben. Das allein ist schon obscur, schließlich bewerben Acai Berry Diäten, South Beach Diet, Grapefruit Diät und wer weiß wie viele noch ihre angebliche Wirkung mit den schlanken Prominenten.

Was ist die HCG Diät?

Die ursprüngliche HCG Diät hat schon gute 60 Jahre auf ihrem Buckel und schafft es immer mal wieder, die Aufmerksamkeit von uns Dickies zu gewinnen – nun ja, sie schafft es eigentlich vor allem, die Aufmerksamkeit von Menschen zu gewinnen, die fette Kohle damit machen wollen. Aber was versteckt sich denn hinter diesem Begriff?

Die ganze Entwicklungsgeschichte der HCG Diät lasse ich an dieser Stelle aus: bei der ursprünglichen HCG Diät wird täglich morgens eine Dosis HCG gespritzt. HCG ist als Schwangerschaftshormon bekannt und findet sich im Blut schwangerer Frauen. Die ganzen Schwangerschaftstests für zuhause weisen genau dieses Hormon im Urin nach. Die Kur ist für 21 Tage geplant, sie beginnt mit einer 2 tägigen Ladephase, wo richtig geschlemmt werden soll und dann wird umgestellt auf eine drastische Reduktion der Nahrungszufuhr. Der HCG Diät`ler darf dann 500 Kalorien täglich, soll sich auf proteinreiche und fettarme Produkte beschränken.

Da viel Kritik daran geübt wurde, dass das Spritzen von Hormonen unglaublich hohe Gefahren mit sich bringen würde, ist die aktuelle Version der Diät nun mit verschiedenen Produkten wie HCG Aktivator Tropfen, Globuli und Tabletten überschwemmt, die nicht das echte Hormon enthalten sondern HCG aktivieren sollen.

anne grimasse erstaunen

Es erstaunt mich, worauf Leute so stehen

Das Versprechen der Diät ist, dass durch die HCG Spritzen oder Tropfen, Globuli etc. der Stoffwechsel nicht auf das Kaloriendefizit reagieren und runterfahren würde und vor allem, dass die Muskelmasse geschont wird und nur das Fett an typisch weiblichen Stellen wie Bauch, Po und Oberschenkel gezielt abgebaut würde. Der Erfinder der originalen “cura romana” wie die HCG Diät früher hießt, erklärte, es würde den Hypothalamus bei übergewichtigen Patienten zurücksetzen. Leider gibt es in all den 60 Jahren auf dem Markt keine Studie, die die unterstützende Wirkung von HCG Injektionen beim Abnehmen belegt- dafür aber jede Menge Kritikpunkte, die die Experten zum Wutschnauben bringt. Auf der anderen Seite stehen Fans und Befürworter, die der HCG Kur tolle Erfolge beimessen.

Welche Kritik herrscht an der HCG Diät?

Der wichtigste Kritikpunkt wurde oben schon genannt: das Spritzen von Hormonen zum Abnehmen wäre gefährlich. Da reden sich die Gemüter einiger Leute ganz schön heiß – alle möglichen befürchteten Nebenwirkungen werden hoch und runter lamentiert und sicher ist nachvollziehbar, dass die Injektion eines Hormons beängstigend klingt. Teilweise werden Unterstellungen geschrieben – zum Beispiel würde die Diät zu Krebs führen, Herzinfarkte und tiefe Beinvenenthrombosen verursachen. Die Belege sind dabei allerdings entweder überhaupt nicht vorhanden oder es wurde auf Grund einer Person (4), die bereits von Natur aus Risikofaktoren für eine tiefe Beinvenenthrombose hatte, auf eine eventuelle Gefährdung geschlossen. In dem Artikel zeigt sich sehr schön, dass nicht nur im Bereich der Ernährungs-Studien die Ursache mit dem gleichzeitigen Auftreten von etwas verwechselt wird.

Das darfst Du jetzt nicht falsch verstehen, ich bin kein Fan der HCG Diät, würde da aber doch die Kirche im Dorf lassen. Es geht nicht darum, das ganze Leben Hormone zu spritzen sondern es handelt sich um eine Kur, die ärztlich betreut wird – oder zumindest vom Arzt unterstützt werden muss, denn HCG gibt es in sicherer und reiner Qualität in Deutschland nur in der Apotheke auf Rezept. Ein hoher Körperfettanteil auf Dauer hat auch seine Risiken und bei der originalen HCG Diät wird zusammen mit einem Mediziner die Nutzen-Risiko Abwägung durchgeführt.

Die Nutzen-Risiko Abwägung der HCG Diät hat jedoch in jedem Fall einen dicken fetten Schwachpunkt:

es konnte in all den 60 Jahren kein wissenschaftlicher Beweis in Studien erbracht werden, dass injeziertes HCG zu größeren Erfolgen führt als ein verabreichtes Placebo, die Sicherheit ist nicht getestet und auch kein Beleg erbracht, dass der Jojo Effekt tatsächlich ausbleibt. Alles, was dieser Methode ihr “Leben” einhaucht, sind positive Berichte in Foren – und genau hier liegt einerseits die Hoffnung und andererseits auch eine große Gefahr. User Berichte sind ein Problem, weil negative Erfahrungen – wie zum Beispiel eine erneute Gewichtszunahme, oft nicht mehr berichtet werden.

Erfolgreiche Diät = tolles Programm. Jojo Effekt = persönliches Versagen

Der Grund liegt in folgender Denkweise, die uns “Dicken” von der Gesellschaft verpasst wurde: wenn wir erfolgreich abnehmen, dann ist es ein gutes Programm. Als persönlichen Erfolg feiern wir das eher nicht. Wenn wir allerdings nicht erfolgreich abnehmen oder wieder zunehmen, dann SIND WIR SELBER SCHULD. Weil wir eben irgendwo gefuscht haben, weil wir nicht diszipliniert waren, einen “Rückfall” hatten. Wir sind beschämt und ja, wir werden auch von außen beschämt in diesem Fall. Erinnert ihr Euch an 2013, wo ich zugenommen hatte? Als ich diesen “Misserfolg” öffentlich gemacht hatte, hab ich eine ware “Schlammschlacht” erlebt mit allen möglichen – FALSCHEN – Unterstellungen. Jeder wusste irgendeinen dämlichen Rat, der häufigste war, noch weniger zu essen oder noch mehr Sport zu machen, es wurde unterstellt, ich hätte mich gehen lassen, das Programm sei scheiße etc. Ich hatte eine solche Reaktion erwartet und es trotzdem öffentlich gemacht, damit andere aus meinen Fehlern und Erfahrungen lernen können – doch was denkt ihr, wie häufig sich jemand traut, ganz offen zu sagen: hey, da hatte ich einen Misserfolg, guck was mir passiert ist? Noch dazu jemand, der “echt” ist?

Der weitere Nachteil an User Berichten ist die Anonymität des Internets. Während ihr zum Beispiel bei mir ganz genau wisst, wer ich bin weil viele von Euch mich “im echten Leben” schon getroffen haben, sind Forum User häufig anonym. Es braucht nichts weiter als ein Profilbild und eine Geschichte. Als wir noch unser ebook verkauft haben, hatte ich ein Coaching für Internet-Marketing gebucht und wisst ihr, was mir der Experte geraten hat? Ich sollte “Fake” Profile in Foren mit der richtigen Clientel anlegen und dort wundervolle Geschichten über den Abnehmengel verbreiten. Wir haben uns dagegen entschieden weil wir es hinterhältig fanden. Wenn unser Angebot gut ist, wird es sich verbreiten und wenn es schund ist, dann eben nicht. Holy Shit, ich mag keine Foren (auch mein eigenes nicht – die Leute darin schon, die sind wundervoll, aber ein Forum an sich habe ich damals auf ausdrücklichen Wunsch von Euch erstellt, weil ihr das haben wolltet.). Ich mag Foren nicht, weil es doch viel zu viel “Freiheit” für fachlich falsche Beiträge gibt und aus unserem eigenen Forum weiß ich, es ist fast unmöglich, täglich jeden Eintrag zu lesen und darauf zu überprüfen, ob da neben persönlichen Ansichten und Erlebnissen auch fachlich falsche oder sogar gefährliche Empfehlungen gegeben werden. Und wenn man dann doch mal eingereift und Falsches korregiert oder ergänzt, dann hat man noch dazu eingeschnappte User. Und da liegt eben auch der Grund, warum mich User Berichte total kalt lassen weil ich nicht weiß, ob sie eventuell gekauft sind, wie “echt” der Beitrag wirklich ist etc.

Am Ende bleibt die Wissenschaft

Im echten Leben kenne ich nur eine Person, die 2012 die HCG Diät mit den Aktivator Tropfen gemacht hat. Sie hat in 30 Tagen 15 Kilo abgenommen und ist jetzt, 2014 – 46 Kilo schwerer. Das ist aber ein Einzelfall, das sagt überhaupt gar nichts aus, weil es eben ein Einzelfall ist. Und so stehen wir nun da, erkennen an, dass Userberichte eher “für den Arsch” sind und ich zu wenig Leute mit langfristigen Erfahrungen mit der Kur (und bis 5 Jahre nach der Kur) haben, um für uns einen Standpunkt zu finden. Wir können uns also nur auf die Wissenschaftler mit ihren Studien verlassen und die sagen, es ist schnurzpiep egal, ob mit oder ohne HCG Spritze gehungert wird, in Placebo Kontrollierten Doppelblind Studien hat das Zeug sich als wirkungslos erwiesen. Auch die HCG Tropfen etc. haben wissenschaftlich die Wirkung wie eine Nase voll frischer Luft, sind halt nur wesentlich teurer. Eine neuere Studie von Dr. Sheri L. Emma ist die erste Doppelblind-Studie mit Placebo Kontrolle, die der HCG Diät mit echter HCG Injektion einen Vorteil im Erhalt der Muskelmasse nachweisen konnte und beweisen konnte, dass Tropfen/Sublinguale Tabletten etc. diese Funktion im Muskelerhalt nicht erfüllen konnten. Dr. Emma hat eine Praxis, in der Abnehm-Programme inklusive medizinischer Untersuchung, Blutuntersuchungen und anschließender Erstellung eines individuellen Diätkonzepts nach der HCG Diät in modernisierter Form gegen ordentlich Kohle angeboten werden. Auf der Website von Dr. Emma kannst Du außerdem Diät-Kits aus Shakes, Messbechern etc. kaufen und natürlich die HCG Shots. Ob Dr. Emma`s Studie, die vielen anderen doppelblind-placebo Kontrollierten Studien zu trauen ist, entscheidest Du selbst. Mich macht es zumindest sehr kritisch, dass sie aus dem Konzept selber sehr stark profitiert. Zumindest ist ihr Protokoll individueller und teilweise auch mit Kalorienmengen bis 1000 kcal , auch die Dosierung des HCG wird für den Patienten ausgerechnet während das Urkonzept weder individuell Kalorien noch HCG Menge berechnet hat. Dass aber ein 150 Kilo Sportler möglicherweise andere Hormone und Kalorienmengen braucht als eine 60 Kilo Bürositzerin, liegt auf der Hand.

Für wen scheint die HCG Diät nicht geeignet zu sein?

Laut der Grafiken in diesem Artikel HIER (7) wird erklärt, dass unter hcg Gabe nicht nur die Androgene (männliche Hormone) im Blut ansteigen, sondern auch ein Anstieg des TSH (Schilddrüsen Stimulierendes Hormon) und der T4 Werte zu beobachten war. Der Autor des Artikels schreibt “Diese Entwicklung spricht klar für eine Stoffwechselaktivierung durch hCG.” Dieser Meinung bin ich widerum nicht. Interessant wäre es gewesen, hier die reverse T3 Blutwerte zu sehen. Von Dr. Kruse (Epi Paleo RX) wissen wir, dass normale TSH Werte bei höheren oder normalen T4 Werten ein wichtiges Zeichen sind, unsere reverse T3 Werte analysieren zu lassen. Wenn die rt3 Werte erhöht sind, liegt eine Leptinresistenz vor. Je stärker die TSH Werte nach oben abweichen (oder steigen) desto stärker ist die Leptinresistenz (8). Die Daten in der Grafik zeigen also eher die Entstehung/Verstärkung einer Leptinresistenz und das ist für einen Dicken nicht unbedingt ein anstrebenswerter Zustand und keineswegs eine positive Anpassung des Stoffwechsels. Leptinresistenz erhöht nach Jonathan Bailor (Calorie Myth) wesentlich den Setpoint, also das langfristige Gewicht, was unser Körper halten möchte. Ich erinnere daran, dass HCG das Schwangerschaftshormon genannt wird und in der Schwangerschaft ist eine Leptin- und Insulinresistenz normal, sie dient dazu, dass die werdende Mama stets über genug Appetit verfügt, damit sie genug für ihr Baby im Bauch isst und gleichzeitig sorgt die Insulinresistenz dafür, dass die Resscourcen knauserig genutzt werden. Heute sind sehr viele Frauen schon vor ihrer Schwangerschaft “unerkannt” von beiden Resistenzen betroffen, was erklärt, warum Schwangerschaftsdiabetes und starke Gewichtszunahme heute verbreiteter sind, als früher.

Menschen, die schon vor der HCG Diät Probleme mit ihrer Schilddrüse haben, Leptinresistent sind oder unter Insulinresistenz leiden (oder schon Diabetiker sind = Insulinresistenz ist Diabetes im Vorstadium), tun sich nach den auffindbaren wissenschaftlichen Informationen langfristig keinen Gefallen mit der HCG Diät. Ebenso sollten Frauen mit PCOS oder aus anderem Grund erhöhten Androgenen und Männer mit bereits erhöhtem Östrogenspiegel (weibliche Hormone) sehr vorsichtig sein. Zusammengefasst kann man also sagen, dass etwa 90% der Menschen mit deutlichem Übergewicht mit dieser Abspeckvariante nicht gut beraten sind. Für alle gilt: dieses Programm solltest Du keineswegs in Eigenregie unternehmen oder zum Beispiel im Fitnesscenter buchen – echte Hormone gehören in die Hände eines Facharztes, ebenso wie eine Radikaldiät. 500 Kalorien täglich ist eine Radikaldiät!

Meine zwei Cent zum Thema

Jetzt komme ich zum unwissenschaftlichen Teil, der meine subjektive Meinung und Einschätzung widergibt. Ich kann mir vorstellen, dass echtes HCG via Spritze den Muskelerhalt während einer Diät begünstigen kann – in einer Schwangerschaft ist es sehr wichtig für den Körper, bei Nahrungsknappheit “Körpereiweiße” zu erhalten und nur vom Fett zu zehren, denn das neue Leben im Bauch muss aufgebaut werden und dazu braucht es reichtlich Eiweiße. Während der Schwangerschaft entsteht eine physiologische Insulin- und Leptinresistenz, um die Mutter zu einer erhöhten Nahrungsaufnahme anzutreiben und gleichzeitig die Rescourcen zu schonen, damit das Baby optimal wachsen kann. Ich sehe die Tropfen, Tabletten und anderes Gedöns als Quatsch an, trotzdem überrascht es mich nicht, das Nutzer die Dinger hilfreich finden. Es ist den Studien zur urteilen nach ein placebo Effekt und das ist eigentlich keine Kritik, der Effekt ist gut! Immerhin sind Tropfen und Co. so niedrig dosiert, dass Gesundheitsprobleme durch das Präparat eher nicht zu erwarten sind und wenn die Psyche die Arbeit macht, in dem sie an das Zeug glaubt, ist das prima. Die Studien haben für mit Placebo, mit Tropfen u.Ä. und mit der Hormonspritze die gleichen Gewichtsverluste nachgewiesen, also ist es schlicht wurscht, wie Du das Fett weg kriegst, wenn es unbedingt eine super niedrig kalorische Variante sein muss.

Eine starke Kalorienrestriktion ist kritisch zu betrachten, wir wissen von Jonathan Bailor (bzw. der vielen von ihm angeführten Studien), dass Fasten, Kaloriensparen etc. nur kurzfristig das Gewicht reduziert und langfristig dazu führt, dass das Gewicht zurück kommt und meistens mit großzügigem Aufschlag von 20%. (Jonathan Bailor, The Calorie Myth). Übersetzt: Kaloriensparen “per Hand” macht fett.

Ich habe 40 Tage nur 300 Kalorien gegessen und nicht zugenommen

Auf der anderen Seite habe ich ja ab Januar 2011 40 Tage gefastet und täglich unter 300 Kalorien zu mir genommen. Dabei habe ich weiter Sport getrieben und zwar Kraftsport vor allem plus Ausdauer. Ohne irgendwelche Spritzen versteht sich. Ich habe die Zeit angenehm empfunden, dabei einiges abgenommen und ich bin jetzt, Jahre später, immer noch schlanker als damals nach dem Fasten und habe fast 15 Kilo mehr Muskulatur heute als 2011. Dieser Fakt ist mit Jonathan Bailors Theorie zunächst nicht vereinbar. Vielleicht habe ich etwas entscheidendes richtig gemacht – ich vermute ganz stark, dass es der Sport ist, der die Muckis gegen Zerfall geschützt hat und das abendliche Eiweißshake (Whey in Wasser). Nach den 40 Tagen habe ich mich schrittweise wieder zum “Essen” hingetastet, es hat etwa 6-8 Wochen gedauert, bis ich zum normalen Lowcarb mit überwiegend “echten” Lebensmitteln wie reichlich Gemüse, Eiweiß und gutem Fett zurück gekehrt bin.

Auch das ist ein Punkt: wo war ich vor dem Fasten, wo war ich nach dem Fasten? Vor dem Fasten hatte ich schon deutlich über 100 Kilo abgenommen und war auf ein Lowcarb reich an Gemüse und Eiweißen umgestellt. Das heißt, innerhalb von wenigen Stunden beim Fasten war ich tief in Ketose und mein Körper war bereits ein einfahrener “Fettverbrenner”. Wie wir wissen von den Wissenschaftlern aus “The Art and Science of lowcarbohydrate living” dauert es normalerweise 4-6 Wochen, bis der Muskelverlust sich deutlich verringert, vorher ist der Muskelverlust vergleichsweise hoch. Ich hatte die Zeit des größten Muskelverlusts schon hinter mir, bevor ich das Fasten gestartet habe. Nach dem Fasten ging es heiter weiter zurück zu meiner bereits bestehenden “geänderten” Ernährung und das in sehr kleinen Schritten. Denn das “danach” ist wohl der wichtigste Punkt in der Verteidigung vor dem Jojo Effekt: es muss vorher schon feststehen, wie es danach weiter geht und das darf nicht von Disziplin abhängen, das muss einfach auf Autopilot klappen. Hätte ich es an dieser Stelle “verranzt” , wäre jedes Pfund vom Fasten innerhalb weniger Wochen wieder zurück gekommen.

Lange Vorrede kurzer Sinn: wenn ich jetzt nicht gerade in einem anderen Lebensabschnitt mit anderen Zielen als Gewichtsverlust stecken würde, wäre ich ein bereitwilliges Versuchskaninchen, um die HCG Kur auszuprobieren damit ich eine konkrete Einschätzung geben kann, wie das Programm sich anfühlt, welche Nebenwirkungen ich ggf. von der HCG Spritze habe und wie schwer oder leicht es ist, danach das Gewicht zu halten. Ich glaube, eine stark kalorienreduzierte Ernährung kann als Kur klappen, wenn die Bedingungen vorher und nachher ideal sind. Ich glaube allerdings auch daran, dass es auf “sanfte Weise” mehr Sinn macht und leichter für jeden ohne großes Vorbereiten und Nachbereiten möglich ist.

Für uns eingefahrene Lowcarber besteht “nach” der Kur keine Rückfallgefahr in schlechte Gewohnheiten, weil unser Leben schon ewig umgestellt ist. Während und nach der Kur gehört Sport bei uns selbstverständlich zum Alltag, es ist alles keine Frage der Disziplin, es gibt in diesem Sinne kein “Scheitern” danach. Für jeden, der vorher schon Probleme hat, sich an irgendetwas zu halten, wird auch die HCG Diät ein Flop denn ohne langefristige Änderung schlägt der Jojo auch hier mit voller Wucht zu.

Ich würde natürlich mit dem echten HCG arbeiten, weil ich nur diesem Produkt eine Wirkung zutraue und die Globuli etc. bei mir nicht wirken können, weil ich nicht an sie glaube. Ich würde die 21 Tage wohl komplett in eine Flüssigkur verwandeln und Shakes trinken ohne Geschmack und Süßstoffe (Native Impact Whey) und auf ein Multivitaminpräparat und Krillöl nicht verzichten. In den engen Kaloriengrenzen ist es ohnehin nicht möglich, vernünftige Mengen Gemüse zu verzehren wenn gleichzeitig so viel Protein auf dem Plan stehen soll, dass ich das ganz lassen würde. Stattdessen gibts Superfood XS mit ins Shake und gut is. Für das Frühstück würde ich eine halbe Grapefruit mit einplanen, ich bin zwar nicht der krasse Obstfan als Ketarier, kann so viel Eiweiß aber besser vertragen, wenn ich eine enzymreiche Frucht dazu esse. Alternativ könnte ich einen Multi Enzymkomplex (DIESEN hab ich) einnehmen, um Verdauungsprobleme zu vermeiden.

Ein Beispiel Tagesplan mit knapp 560 Kalorien

Zubereitung der Shakes in Wasser. Das Xanthan dickt das Shake an und sättigt dann besser.

Frühstück:

1/2 Grapefruit
Native Impact Whey 95 – 1 Scoop
1 gestr. Tl. Xanthan
1 Miniscoop (2,5g) Superfood XS
6g MCT Pulver

Statt Kaffee gibts Grüntee.

Mittagessen:

Native Impact Whey 95 – 1 Scoop
1 gestr. Tl. Xanthan
1 Miniscoop (2,5g) Superfood XS
6g MCT Pulver

Snack

Native Impact Whey 95 – 1 Scoop
1 gestr. Tl. Xanthan

Abendessen

Native Impact Whey 95 – 1 Scoop
1 gestr. Tl. Xanthan

Supplements

Morgens und abends 30 Min. vor dem Essen 600mg alpha lipon säure (ICH HABE DIE)
Morgens, mittags, abends 600 mg Krillöl (2 Kapseln)
Multivitaminpräparat (DAS HIER) 2 morgens, 2 abends
Raspberry Ketones (HIER GÜNSTIG) 4x am Tag 200mg
Morgens und Mittags je 1 g Magnesiumcitrat, abends 2,6g Magensiumcitrat
Vitamin D3 20 000iu morgens zum Essen (Dekristol 20 000 vom Arzt verschrieben)

Sport

Täglich mindestens 1 Stunde leichte Bewegung draußen (Spazieren mit dem Hund)
5 Tage in der Woche HIIT täglich nach 17 Uhr
1 Negativ Krafttraining in der Woche mit anschließender leichter Ausdauer
1 Tag frei

Getränke

Direkt nach dem Aufwachen (zu den Supplements) 1 Liter stilles Mineralwasser mit etwas Zitronensaft.
3-4 Liter Mineralwasser über den Tag verteilt, etwa 2 Liter davon Gerolsteiner classic (sehr reich an Calcium und Magnesium, teilweise die 10fache Menge wie andere Wässerchen).
Kräutertee nach Geschmack; vormittags und Mittags Grüntee, nachmittags und abends Pfefferminztee o.Ä.

Im Tee immer etwas Natron und eine Prise Ursalz zugegeben.

Entsäuerung & Co.

2-4x in der Woche basisches Bad (Hier günstiger und besser als bei DM)
ggf. Darmreinigung (blödes Thema aber bei so wenig essen + wenig Fett können Verdauungsprobleme entstehen, von denen viele “User” der Diät auch berichten. Die sind durch übliche Maßnahmen wie beim Fasten komfortabel in den Griff zu kriegen).

Nach der Kur gehts weiter mit…

…einem strengen Leptinreset nach Dr. Kruse. (EPI PALEO RX)

Hintergrundinfos, wie ich den HCG Ernährungsplan zusammen gestellt habe

Dieser Plan geht davon aus, dass der Absolvent bereits ein “fatburning beast” ist und einen Leptinreset nach Dr. Kruse durchgeführt hat. Regelmäßige Ketonwerte im Blut von über 0,5 mmol und ein normaler rt3 Wert sowie ein normaler TSH Wert werden vorausgesetzt. Es wird angenommen, dass keine autoimmune Erkrankungen der Schilddrüse mehr messbar ist (also Antikörper negativ!) und dass die HCG Diät von einem Arzt betreut wird, der legal das “echte” HCG verschrieben hat. Es handelt sich um einen Beispielplan, um zu zeigen, wie ich mir die Sache vorstellen könnten – ich habe weder vor, mich so zu ernähren noch möchte ich andere dazu Anleiten, nach diesem Plan zu “kuren”.

1. Es gibt nur geschmacklose Shakes statt richtiges Essen, weil ich richtiges Essen lecker finde und Probleme habe, mich an so wenig Essen zu halten. Wenn ich zum Beispiel 100g Hähnchenbrust und ne Hand voll Gemüse sehe denke ich” hmm, lecker als amuse geule – also kleinen Happen zum Hungrig werden”. Und will dann mehr. Ohne Fett kochen mag ich auch nicht, das schmeckt alles wie Schuhsohle und das führt dazu, dass ich ständig Appetit habe. Mit lecker schmeckenden Sachen lässt sich Fasten oder in diesem Fall die extreme Kalorienreduktion für mich nicht durchhalten. Mit faden Shakes schon, ich betrachte es dann als Fasten und kann geistig gut mit der Situation umgehen.

2. Es gibt keinen Kaffee, weil ich den schwarz nicht mag aber in der Kaloriengrenze keine 40 Kalorien für 100 ml Mandelmilch ungesüsst abknapsen konnte. Also Grüntee, ist ohnehin gesünder.

3. Es sind 60 Kalorien mehr, weil ich keinesfalls auf MCT und Superfood XS verzichten wollte und auch die Grapefruit brauche für die Verdauung und gleichzeitig etwa 1g Protein pro kg Körpegewicht haben wollte und mit etwa 100g dann ganz zufrieden bin.

4. Die Supplements kommentiere ich nicht alle, das ist recht individuell – wichtig: Vitamin D ist meine individuelle Dosis, die ich aktuell nehme (und ständig Blutkontrolle machen lasse, bis ich genug “geladen” habe). Himbeerketone sind irgendwie fancy, ich mag die und bei mypro sind die günstig, beim Sport habe ich schon den Eindruck, es “brennt” mehr, wenn ich die intus habe.

5. Entsäuerung ist meiner Meinung bei jedem größeren Gewichtsverlust notwendig, insbesondere wo meine Gemüsemenge von täglich 9-11 Portionen auf Null fällt. Am besten funktioniert das für mich durch ein basisches Bad, ich habe jetzt ein günstiges gefunden – das pro Kilo deutlich günstiger ist als das von DM, und das bei mir wirkt und meine Haut pflegt. In der HCG Diät ist es verboten, Bodylotions und Gesichtscremes zu verwenden (finde ich freakig aber nun ja) und da ist die intensive Hautpflege durch das basische Bad auch ideal.

6. Sport ist nicht speziell angepasst, es entspräche meinem normalen Plan mit Ausnahme der Uhrzeit. Aktuell HIIT`e ich morgens, in dem Fall einer Extremdiät würde ich das eher in die Zeit nach 17 Uhr legen, um den Körper morgens nicht zu sehr zu stressen. (Die 17 Uhr Empfehlung kommt aus Dr. Kruses Leptin Reset)

7. Danach gehts weiter mit einem sorgfältigen Leptinreset nach Dr. Kruse, um eventuelle “Probleme” , die durch die Radikaldiät in der Leptinachse entstanden sein könnten, von vorne herein zu vermeiden. Schon während der HCG Diät wird Dr. Kruses Idee so gut wie möglich eingebaut: Schlafen nach den natürlichen Tageszeiten, ausreichend Schlaf, viel Tageslicht und Bewegung draußen, reichlich trinken, kalte Gesichtsspülungen und ggf. Wechselduschen, Sport nach 17 Uhr etc.

Schlusswort

Ich bleibe der HCG Diät weiter kritisch, die Wissenschaft findet sie platt gesagt blöd und auch die angeblichen großen dauerhaften Erfolge liest man überall als Versprechen, ich konnte aber keine validen Statistiken oder Erfolgszahlen finden sondern nur Foreneinträge und die sind aus oben beschriebenen Gründen wenig wert bei der Suche nach der Wahrheit. Ein Lowcarber mit einem bereits solide umgestellten Leben hat kein großes Risiko beim Ausprobieren, solange sein Arzt dem Programm zustimmt – deshalb möchte ich mich ebenfalls distanzieren von der großen Panikmache, die auf Seiten der Gegner der HCG Diät so durch das Netz schwappt. Kirche im Dorf lassen – es ist nur eine Kur und wenn sie unter ärztlicher Kontrolle durchgeführt wird, ist das Risiko für schwere Nebenwirkungen gering. Nicht als “schwere” Nebenwirkung klassifiziere ich den Jojo Effekt, den ich nach Sichtung der Beweise leider nicht ausschließen kann und unter schlechten Vorraussetzungen sogar für sehr wahrscheinlich halte. Schlechte Vorraussetzungen sind vor allem: keine solide umgestellte Ernährung vor der Diät, keine intensive sportliche Aktivität (also nur Walken oder so zählt nicht!), Probleme mit dem langsamen Steigern der täglichen Verzehrmenge später.

Quellen/Studien/Links

(1) Ineffectiveness of human chorionic gonadotropin in weight reduction: a double-blind study.
(2) Human chorionic gonadotropin (HCG) in the treatment of obesity: a critical assessment of the Simeons method. (Doppelblindstudie, randomisiert)
(3) [Risk-benefit analysis of a hCG-500 kcal reducing diet (cura romana) in females].
(4)
Effect of the human chorionic gonadotropin diet on patient outcomes.
(5) Immunohistochemical and ultrastructural changes in rat fat tissue related to the local hCG injection.
(5)Human chorionic gonadotrophin and weight loss. A double-blind, placebo-controlled trial.
(6)HCG Injections in a double blinded placebo controlled trial (PDF)
(7) Die HCG Diät, sinnvolles Spiel mit den Hormonen
(8) Leptin and the regulation of body weight in mammals