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Proteinriegel – Sinnvoll oder Süßkram mit Heiligenschein?

Süßigkeiten nach Magenbypass, Schlauchmagen & Co.

Die Luft vibriert vor Spannung, die Aggressionen der Kontrahenten schmecke ich beinahe in der Luft. Langsam beginnen die Fingerkuppen auf dem Handybildschirm zu schwitzen.

Ja, heute ist wieder ein Mal Kriegsstimmung auf Facebook. In einer großen Adipositas-OP Gruppe brennt das Dach, es herrscht völliges Chaos, gegenseitiges Augen-Auskratzen inklusive.

Wenn die Emotionen derart hochkochen, muss es um ein absolut lebenswichtiges Thema gehen. Zumindest denke ich das, bis ich den Beitrag anklicke, der für gefühlte fünfhundert Benachrichtigungen verantwortlich ist.

Ich reibe mir die Augen und schüttele nur den Kopf: Der Streit geht wirklich um Süßigkeiten nach einem Omega Loop Magenbypass? Irritiert suche ich nach dem Grund, warum ich überhaupt in diesem Beitrag verlinkt bin. Schließlich ist eins bekannt: ich poste gar nichts in diese Gruppen, weil da neben tollen und intelligenten Leuten auch jede Menge Honks mit Halbwissen rumtröten –  und das nervt.

Braucht kein Mensch! Mal im ernst: wenn irgendjemand mir eine richtig blöde Frage stellt, liegt das meistens daran, dass er in einer solchen Gruppe diesen Dünnschiss gelesen hat und infiziert wurde.

Heute gehts also offiziell um Naschen nach einer Magenverkleinerung.

Weltbewegendes Thema, ich weiß. Emotional heiß diskutiert, wie ich heute gelernt habe.

Was sind eigentlich Süßigkeiten und Knabbereien?

First things first: Süßigkeiten und Knabbereien sind nicht einfach nur eine Anhäufung von Zucker, Fett und manchmal noch Farbstoffen aus meist wenig hochwertigen Rohstoffen, speziell designed, um unser Gehirn extrem zu stimulieren. Die Lebensmittelindustrie untersucht sogar die Reaktion auf das Essen bestimmter Knabbereien im MRT!

Wer es nicht weiß: das ist eine arschteure Variante, um feinste Strukturen unseres Körpers sichtbar zu machen.

Wenn das Feuerwerk im Suchtzentrum unseres Hirns richtig aufleuchtet, dann ist das Knabberzeug bereit für die Regale.

Ob der richtige Crunch bei Chips, der perfekte Schmelz bei Schokolade, das richtige Verhältnis von Zucker, Salz und Fett – Leckereien sind heute designed, um uns zum “Fressen” zu verführen. Ruckzuck ist die Tüte leer, der Bauch voll und das Gewissen ruiniert.

Süßkram und Naschereien sind “normal”

Im weitesten Sinne ist es trotzdem normal, in gesellschaftlichen Situationen auf Dinge wie Eiscreme, Knabberzeug und Schokogedöns zu stoßen. Da feiert die Kollegin Einstand im Büro und bringt Süßkram mit, in der Schule schmeißt der Lehrer ne Runde Gummibärchen, damit die Schüler in Sexualkunde weniger kichern – sogar im Fingernagelstudio gibts ein kleines Bonbon als Dankeschön, im Cafehaus einen Keks zur Latte.

Überall begegnen uns die Süßigkeiten. Täglich erfindet die Industrie neue Kombinationen, die dann über Social Media zuerst auf allen Handys und dann in allen Mündern sind.

Macht es uns zu “schlechten” Menschen, weil wir eine Magenverkleinerung haben und trotzdem hin und wieder etwas Süßes oder Salziges essen wollten?

Ist es wirklich gerechtfertigt, dass Team “Anti” vorwirft, “ihr habt nichts gelernt” “wer Süßigkeiten isst, hat die OP nicht verdient”? Woher kommt überhaupt diese unnötige Diskussion?

Süßigkeiten können dick machen – genauso wie Salatdressing, Smoothies und Avocados

Sammeln wir die Fakten zu Süßkram.

  1. Süßkram und Knabberzeug hat viele Kalorien, meist aus Fett und Kohlenhydraten
  2. Selbst kleine Portionen liefern sehr viel Energie
  3. Süßigkeiten können den Blutzucker- und Insulinspiegel stark erhöhen
  4. Süßigkeiten und Knabbereien haben eine geringe Sättigungswirkung (die Tüte muss leer!)
  5. Nach Magenbypass kann es zum Dumpingsyndrom, Durchfall und anderen Beschwerden führen

 

Niemand wird behaupten, dass Schokolade, Pralinen, Chips, Cracker und Gummibärchen besonders gesunde, vitaminreiche Lebensmittel sind. Aus gesundheitlicher Sicht sind sie vollkommen verzichtbar. Gesellschaftlich ist das nicht für jeden möglich oder wünschenswert. Was nutzt es, wenn sich jemand nach Schokolade sehnt, tagelang darüber nachdenkt und ständig an “gesunden” Sachen nascht, statt eine kleine Portion Schokolade zu genießen?

Meiner Meinung nach zählt vor allem, möglichst schnell einen normalen und bewussten Umgang mit allen Lebensmitteln zu finden. Ohne “Labels” wie “gut” und “böse”. Die alte Diätroutine dürfen wir hinter uns lassen und uns auf eine gesunde Basis konzentrieren. Für uns Menschen mit Magenverkleinerung sieht die gesunde Basis so aus:

ernährungspyramide magenbypass

Magenbypass & Schlauchmagen Ernährungspyramide

Die Ernährungspyramide für Menschen nach bariatrischer Operation

In unserer Pyramide sehen wir, wo die Prioritäten liegen – und ein Streit über Süßigkeiten Ja/Nein wird somit beendet. Ja, wir dürfen auch Mal eine kleine Portion Süßkram. Und zwar im Idealfall nur dann, wenn wir unsere zwei Liter am Tag kalorienfreie Getränke getrunken haben, auf unser Eiweiß gekommen sind und auch ein wenig Gemüse und Obst hatten.

Halten wir also fest: Süßkram kann durch die hohe Zahl an Kalorien bei kleinen Portionen eine sehr gute Abnahme behindern oder kleiner ausfallen lassen. Die ersten sechs Monate funktionieren Magenbypass und Sleeve am besten – da solltest du alles rausholen, was geht. Je länger du ohne Süßkram kannst, desto besser.

Wie nasche ich “sicher” nach der Operation

Wenn dann doch irgendwann mal eine Nascherei bei dir einzieht, empfehle ich einen bewussten und sinnvollen Umgang mit der Leckerei.

  1. Teile eine größere Packung in Einzelportionen auf. Ggf. wiege die Portionen nach Angaben der empfohlenen Portionsgröße ab.
  2. Vermeide direktes Essen aus der Tüte / Packung
  3. Vermeide den Kauf von Großpackungen
  4. Kauf nur eine Sorte! Auswahl macht es schwer, die Mengen klein zu halten.
  5. Verstaue die Einzelportionen im Schrank / außerhalb des Sichtfelds
  6. Auf Partys nimm dir eine Hand voll zB Chips, Popcorn oder ein kleines Schälchen. Vermeide es, immer wieder in die große Schale zu greifen.
  7. Genieße deine Portion ganz bewusst und vermeide das Essen vor dem Fernseher / nebenbei / abgelenkt.
  8. Wenn du großen Heißhunger auf Süßkram hast, suche unbedingt nach der Ursache (Lies auch: Heißhunger – das kann dahinter stecken)
  9. Bemerkst du bei dir Essen aus Langeweile, Traurigkeit, zur Belohnung etc. ziehe eine Verhaltenstherapie in Erwägung. Emotionales Essen ist langfristig eine Gefahr für den Erfolg mit Magenverkleinerung. Es lohnt sich, alternative Verhaltensweisen zu erlernen.

 

Fazit zum Naschen nach Magenverkleinerung

Die Kirche darf im sprichwörtlichen Dorf bleiben. Süßkram in kleinen Mengen kann durchaus zu einer sinnvoll gestalteten Ernährung nach Magenbypass, Schlauchmagen und Omega Loop gehören. Verteufelungen und Hexenjagd wie die heute auf Facebook sind unangemessen und zeigen nur, wie extremes “alles richtig und 100% machen wollen” langfristig unglücklich macht.

Das Risiko, bei einem “absoluten Verbot” schwach zu werden, ist genauso hoch, wie bei “Iss lieber was anderes, aber wenn dir mal nach Naschen ist, ist das in Ordnung. Beide Denkweisen unterscheidet nur eins: Das eigentliche Gefühl, wenn man dann doch mal schwach wird und sich ein Stückchen Kuchen gönnt, eine Kugel Eis oder eben einen Schokoriegel (um den es im Beitrag ging).

Derjenige mit dem “harten Verbot” erlebt seine Schwäche als Versagen. Das führt leicht zu “Ach Mist, na dann ist es heute egal. Esse ich eben noch mehr Mist und mache ab morgen wieder clean. Oder Montag. Oder nächsten Monat.”

Der mit dem realistischen Umgang mit Süßkram hat keinerlei negatives Gefühl, genießt seine Portion und geht bei der nächsten Mahlzeit völlig happy und unberührt zur gesunden Tagesordnung über.

Meiner Meinung ist “Du darfst auf keinen Fall XY” das Rezept für ein perfektes Desaster auf lange Sicht.

Menschen sind nicht perfekt, wir sind nicht immer stark und verzichten auf alle Verlockungen. Ich habe mir bereits 2016 geschworen, dass mir nie wieder Essen die Laune verdirbt und Verbote tun das zuverlässig.

Deshalb: Weg mit Verboten. Her mit der Balance.

In diesem Sinne wünsche ich euch einen schönen Tag 🙂

 

Was ist eigentlich mit Diät Süßigkeiten?

Oje, jetzt mache ich mich wieder unbeliebt. Ich höre die Geister in den Schatten schon wieder flüstern und hetzen, dass man es mit seinem Ehrgeiz auch übertreiben kann. Ehrgeiz und Süßigkeiten – sehr interessant, dass diese Verbindung in Social Media Debatten immer wieder auftaucht.

Ich persönlich bin kein Riesenfan von “Light” Genussmitteln. Ob Schokolade, Schokoriegel, Praline oder Keks: es gibt mittlerweile Protein Snacks in jeder Variante und natürlich alles in “Light” oder “Diät” Ausführung. Mit einem strengen Blick auf die Packungen knallt mir dann manchmal die Kinnlade runter.

411 Kalorien für einen Keks

Beispielsweise kursiert ein sehr beliebter Proteinkeks für Sportler in Kreisen meiner Mitoperierten. Beim Lesen der Nährwerttabelle bin ich beinahe kollabiert. Dieser hübsch aussehende Proteinkeks liefert satte 447 Kalorien auf 100 Gramm, dabei gerade aber  24 Gramm Eiweiß. Autsch, das ist wieder die Verpackungsfalle. (Keks auf Amazon ansehen)

Für den gedachten Einsatzzweck als Mahlzeit nach einem intensiven Workout mag das durchaus in Ordnung sein. Vermutlich ist der Keks auch lecker. Woher er seinen “In” Status nach Magenverkleinerung hat, ist mir schleierhaft.

Machen wir ein Gedankenexperiment: Ich poste in eine Bariatrie Facebookgruppe, dass ich gerade 84 Gramm Prinzenrolle gegessen habe. Also Butterkekse mit Schokofüllung. 412 Kalorien. Genauso viele Kalorien wie der 90 Gramm Proteinkeks vom Sporthersteller. Der Shitstorm wäre gigangtisch. Ich sehe die “Pro” und die “Anti” Gruppe bereits wieder mit blutigen Nasen die Köpfe aneinander schlagen.

Poste ich den Proteinkeks, ist der auf ein Mal ganz normal. Prima, lecker, probiere ich auch mal aus. Nichts gegen den Proteinkeks, der hat – wie gesagt – seinen Einsatzzweck. Aber um an 22 Gramm Eiweiß zu kommen, gibt es sinnvollere Möglichkeiten. Von den 411 Kalorien in dem Keks stammen nur 88! Kalorien vom lebensnotwendigen Protein. 323 Kalorien der ganzen Super-Cookie-Eiweiß Nummer sind einfach nur Fett und Carbs.

Hier landen wir bei folgender Erkenntnis: Wenn etwas mit Light, Diät, Protein etc. gekennzeichnet ist, passt es nicht automatisch prima in unsere tägliche Ernährung. Natürlich kann man so einen 400 Kalorien Keks essen, der vermutlich wie alle Proteinkekse und Proteinbrownies aus dem Laden etwas – naja – unerfreulich schmeckt.

Die Alternative, wenn es ein Keks & Protein soll: Iss einfach eine kleine Portion deiner Lieblingskeks-Sorte. Ich wähle das Beispiel Prinzenrolle, weil sie mir gerade einfällt. Sagen wir, du isst einen Keks (die sind ziemlich groß mit einem Mini Magen) und gönnst dir eine halbe Stunde vorher oder hinterher einen richtig leckeren Proteinkaffee (Rezept hier).

In der Halbfettmilch Variante kommst du mit dem richtig leckeren Keks und dem Proteinkaffee mit 294 Kalorien “weg” . Davon sind 21 Gramm Eiweiß, 31 Gramm Kohlenhydrate und 10 Gramm Fett. Trotz ganz normalen Keks “von der Stange”.

Lowcarb Süßkram

Vorteile

  • Leckerer Geschmack
  • 20 Gramm Protein
  • Tolle Sorten

Nachteile

  • Gesüßt mit Fiber Sirup, daher nur direkt nach intensivem Sport empfehlenswert
  • Großer Riegel. Nach OP evtl. nur 1/2 pro Portion.

Vorteile

  • Leckerer Geschmack
  • Weiche Konsistenz
  • Sortenauswahl
  • Super Preis, wenn man online kauft (halber Preis gegenüber Drogerie)
  • 35 Gramm Riegel

Nachteile

  • Keine

Vorteile

  • Hammer lecker
  • Riegel ist in 2 kleinen Teilen
  • Übers Internet sehr günstig (in der Drogerie doppelt so teuer)
  • Kann man sogar abonnieren
  • Tolle Sorten

Nachteile

  • Suchteffekt möglich (echt lecker)
  • Etwas höhere Kalorien