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Pouch Reset

Das Ungeheuer aus den Tiefen Social Medias

Stell dir den Soundtrack vom »Weißen Hai« vor: Der schlagende Bass mit seinem Dum Dum Dum Dum Dum Dum, wenn sich das »Monster« aus der Tiefe dem nichtsahnenden Schwimmer nähert. Als er den Schatten unter sich sieht, ist es zu spät.

Die Filmmusik für den Rinderwahn des Tages präsentiere ich mit einer Extraportion »m« oder »ähm«. Sprich mir einfach nach: »Dumm, dumm, dumm, dumm, dumm, dumm!«.

»Pouch Reset« – der Rinderwahnsinn aus den Tiefen des Internets

Dummheiten spült das World Wide Web täglich in unser Leben. Es ist schwer, sinnvolle Informationen von Müll zu unterscheiden. Sprechen wir heute zum ersten Mal deutlich – und gleichzeitig zum letzten Mal – über eine Kreatur namens »Pouch Reset«. Der “Pouch Reset” jagt  seit circa Dezember auch im deutschen Internet  Frischfleisch .

pouch reset nicht wissenschaftlich erprobt

 

Aufgedeckt: Der Unsinn aus dem Netz

Was ist
  “Pouch Reset”

Crash Diät

Kurz erklärt ist der »Pouch Reset« eine Crashdiät, die innerhalb von fünf Tagen einen vermeintlich ausgedehnten Magenpouch nach Magenbypass oder Schlauchmagen wieder schrumpfen soll. Noch einfacher ausgedrückt: Wir messen eine 5 von 5 auf der Rinderskala, wesentlich blöder geht nicht!

rinderwahnsinn skala 6

Vollausschlag auf der Rinderskala!

Zwei Tage beinhalten modifiziertes Fasten. An allen Tagen ist so viel Suppe erlaubt, wie man möchte und die letzten drei Tage erfolgt ein fadenscheiniger »Kostaufbau«, dessen Sinn und Zweck sich mir auch mit Liebe und Großzügigkeit nicht erschließt.

Zwecklos

Tag 1: Klare Flüssigkeiten

  • Wasser
  • Ungesüßter Tee
  • Klare Brühe.
  • Zuckerfreie Limonaden *igitt*
  • In manchen Plänen ist schwarzer Kaffee erlaubt.

Es gibt keine feste Nahrung, nur oben genannte Flüssigkeiten. Einfach ausgedrückt: Der Pouch Reset startet mit einem modifizierten Fastentag.

Tag 2: Shakes & Suppe

  • Protein Getränke und Suppe
  • 3 Proteinshakes am Tag
  • Gemüsesuppe (nach Rezept) in unbegrenzter Menge
  • Die »Mahlzeiten« mit Gemüsesuppe und Proteinshakes sollen jeweils 2-3 Stunden auseinander liegen.
  • .Reichlich Wasser und ungesüßte, kalorienfreie Getränke.

Tag 3: Weiches Protein

  • 3 Proteinshakes
  • Gemüsesuppe Menge nach Appetit

Zusätzlich pro Tag 2 Portionen a 90-100g weiches Protein
z.B.

  • Hüttenkäse
  • griechischer Joghurt (fettarme Variante)
  • Gegarte Bohnen/Linsen
  • Rührei oder pochiertes Ei.

Tag 4: Festes Protein

3 Proteinshakes
So viel Suppe nach Rezept, wie du willst

Zusätzlich pro Tag 2 Portionen je 90-100 g

  • Hühnchen
  • Fisch
  • 2 Eier

und 2 Portionen einer Fettquelle z.B.

  • ein Teelöffel Öl/Butter
  • ½ Avocado
  • 15 Mandeln

Tag 5: vollwertige Mahlzeiten

  • 3 Proteinshakes
  • Gemüsesuppe Menge nach Wunsch

Zusätzlich täglich 2 Portionen von 90-100g egal welcher Art

  • Fleisch
  • Fisch
  • Eier

plus 2 Portionen jeweils von ¼ Cup

  • Bohnen
  • Beeren
  • Quinoa
  • Süßkartoffel
  • Gemüse.

Der Vollständigkeit halber möchte ich erwähnen, dass der Pouch Reset im Internet in verschiedenen Varianten zwischen fünf und zehn Tage dauert.

Wusstest du eigentlich, dass der Pouch Reset Bullshit ist?

Setzen, 
  Sechs!

Wissen

schaft

Seriöse Quellen mit validen, evidenzbasierten Quellenangaben existieren nicht! Ich sage es hier ohne Blümchen und Bienchen und blauen Himmel: Da schreibt nur einer vom anderen ab, wissenschaftliche Daten gibt es nicht.

Der »Pouch Reset« ist keine medizinische Empfehlung, sondern nur Kennzeichnung vollkommener Ahnungslosigkeit (oder Ignoranz) über die Erkrankung, die damit behandelt werden soll.

Adipositas ist eine multifaktorielle, chronische und progressive Krankheit. Es ist langweilig, das ständig zu wiederholen. Ja. Offenbar ist es aber auch notwendig.

Keine Langzeitwirkung = Schädlich

Crash Diät

Eine Crashdiät über fünf Tage ist weder eine »chronische« Behandlung – noch greift sie multifaktoriell.
Und Freunde, sind wir ehrlich: »Dauerhaft« änderte vor der Adipositasoperation keine Diät irgendetwas. Sowohl Betroffene und behandelnde Ärzte müssen das eigentlich wissen, sonst wäre es nie zu einer Operation gekommen.

Sag Nein zum Pouch Reset

Schatten Seite

Die Versprechen über die Wirkungsweise des Pouch Resets sind überzogen und die »Erfahrungsberichte« von »begeisterten Anwenderinnen« grenzen an Wunschdenken.

Der Gewichtsverlust entsteht im Wesentlichen durch die Fastentage an Tag 1 & 2. An diesen Tagen baut der Körper die Speicherform der Kohlenhydrate ab. Die körpereigenen Kohlenhydratspeicher binden Wasser.

Das geht verloren – damit sieht es für dich spätestens an Tag 3 nach einem »Wunder« aus.
Wow, 2-4 kg in drei Tagen! Natürlich reicht das, um Leute auf Facebook in Ekstase zu versetzen.

Die Schattenseite: Die Kilos kommen mittelfristig zurück.

“Pouch Reset” – erst Fasten, dann “grasen”

Der »Pouch Reset« hat eine Grundregel, die gegen den gesunden Menschenverstand verstößt: »Iss so viel Suppe, wie du willst. Auch zwischen den Mahlzeiten.«
Dazu gibt es täglich drei Proteinshakes und zusätzlich noch die Hauptmahlzeiten.

3 – 4 Mahlzeiten nach OP

Ziel nach einer Adipositasoperation für die Stabilisierungsphase sind 3 – 4 Mahlzeiten am Tag ohne Snacks zwischen dem Essen. Suppen gelten ebenfalls als Snack. Nur wenn die Mahlzeiten trotz Fokus auf Protein nicht ausreichen, um auf das Eiweiß zu kommen, werden eiweißreiche Zwischenmahlzeiten fest eingeplant.

Der “All u can eat” Part in der Crashdiät macht aus meiner Sicht überhaupt keinen Sinn – auch die 2 – 3 Stunden “Pause” zwischen Shakes / Mahlzeiten / Suppe verbessern das System nicht. Alle zwei Stunden “Kalorien” konsumieren ist dauerhaft komplett kontraproduktiv. Lass es uns einfach deutlich formulieren: zweistündige Intervalle zwischen den Mahlzeiten fallen in die Kategorie “Grasen”.

Wieso funktioniert der Bauernfang augenscheinlich trotz all der Dinge, die wir Betroffenen über Crashdiäten doch heimlich wissen, wenn wir ehrlich sind?

Magen gedehnt

Der gedehnte Magen – darüber müssen wir sprechen

Im Zentrum des Hypes um den Pouch Reset steht die eine einzige Angst: Der Magenpouch hat sich durch eigenes Fehlverhalten ausgeweitet!

Die Ausweitung des Magenpouchs im Laufe der Zeit ist normal und ist nicht die »Schuld« des Patienten. Unser Verdauungssystem reagiert immer auf Mahlzeiten, in dem verschiedene Signale die Dehnbarkeit von Magen und Darm beeinflussen. Direkt vor dem Essen und während des Essens sind die Organe dehnungsfähiger, um der Mahlzeit Platz zu geben.

Einige Stunden nach dem Essen »schrumpft« der Magen zurück in seine »Ursprungsgröße«. Das ist eine normale Körperfunktion. Ein längerer Verzicht auf feste Nahrung macht den Magen auch nicht »kleiner« – sobald du wieder isst, passt wieder »mehr« rein.

Normale Portionen – trotzdem stabiles Gewicht

Ein normal geweiteter Magenpouch ist in der Literatur von geringem Einfluss auf eine Wiederzunahme oder einen andauernden Gewichtsstillstand vor dem Erreichen des Zielgewichts. Die Ursachen sind häufiger mangelnde Bewegung und das »Ignorieren« der Ernährungspyramide für Menschen mit Adipositasoperation, gefolgt von tatsächlichen anatomischen Veränderungen, die sich nur chirurgisch korrigieren lassen.

Was tun?

hautlappen sind nur leere speckrollen

Halte dich an die Ernährungsempfehlungen für Patienten nach Magenbypass & Co. und sorge dafür, täglich mindestens 30 Minuten in Bewegung zu sein. Drei Stunden Sport die Woche runden ein einen gesunden Lebensstil ab.

Um langfristig schlank zu werden oder zu bleiben, brauchst du Maßnahmen, die genauso langfristig sind. Auf einen Pouch Reset und andere Crashdiäten kannst du verzichten. Hat vorher nicht geklappt, klappt jetzt auch nicht.

Denk dran: »Heruntergemogelte Kilos« bringen bei Rückkehr meistens noch »Freunde« mit. Fünf Kilo runter, sieben Kilo rauf. Das will doch kein Mensch!

Leb doch einfach “normal”

Selten aber möglich

Der Pouch
  ist zu groß!?

Mehr als nur große Portionen

Sehr selten kommt zu einer Veränderung der Anatomie des neuen Magens. Dabei dehnt sich nicht nur der Pouch. Die Verbindung zwischen Magen und Dünndarm kann sich ausweiten, auch der Dünndarm selbst kann sich ausdehnen.

Betroffene haben neben den größeren Essensportionen vor allem deutliche Symptome wie Dumpings, Blutzuckerschwankungen und ständig Hunger!

Eigenes Verschulden ist nicht der Auslöser! Eine Crashdiät ist nicht die Lösung!

Anatomische Veränderungen des Magens müssen untersucht und professionell in spezialisierten Zentren behandelt werden. Professor Marjanovic erklärt in einem Gastbeitrag zur chirurgischen Korrektur eines ausgeweiteten Magens, mit welchem neuartigen Eingriff sein Zentrum dem Patienten in dieser belastenden Situation hilft!

Mit einem Zitat aus Professor Marjanovics Artikel möchte ich auch den Beitrag zu unserem »Ungetüm« aus den Tiefen Social Medias begraben und den »Pouch Reset« für immer aus eurem – und meinem – Gedächtnis streichen.

“Eine anders geartete Therapie einer Pouchausweitung durch bestimmte Diätprogramme („pouch reset“), die optimale Erfolge versprechen, halte ich für sehr fragwürdig, ist wissenschaftlich weder bekannt noch belegt und kann die anatomischen nachweisbaren Veränderungen nicht relevant verbessern.”

Zitiert aus “Pouch – Resizing. Wenn die Portionen wieder größer werden.

Professor Marjanovic

Professor Marjanovic - Leiter des Zentrums für Adipositas und Metabolische Chirurgie, UNIVERSITÄTSKLINIKUM FREIBURG

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