Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Post, der zwischen 2010 und 2015 auf dem Yourdietangel Blog erstmals erschienen ist. Seit den Anfängen meiner Bloggerzeit habe ich eine Menge dazu gelernt. Die alten Inhalte entsprechen nicht mehr zwangsläufig meiner aktuellen Meinung. Dieser Artikel enthält Affiliate / Werbelinks. Alles über Werbung auf diesem Blog findest du unter Werbung / Kooperationen.

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Obst ist lecker und gesund. Oder?

Das macht erst Mal Schlagzeilen: neue österreichische Studie will herausgefunden haben, dass Vegetarier 2,5 Mal so häufig an Krebs und Herzinfarkt erkranken wie Fleischfresser, doppelt so häufig unter Depressionen, Angsterkrankungen und Allergien und sind bei 14 von insgesamt 18 ausgewerteten Krankheiten häufiger betroffen als ihre fleischfressenden Kollegen.

Gestoßen bin ich auf diese Studie dank Verena von Facebook, die mich auf einen Artikel in der deutschen Apothekerzeitung gestoßen hat. Die Headline des Artikels “Kränkliche Vegetarier” hat meine Aufmerksamkeit geweckt – und die oben genannten Daten aus dem Artikel meine Besorgnis (ich habe Vegetarier in der Familie).

Vorweg: die Studie wurde nicht aus unlauteren Kreisen gesponsored (also die Lebensmittelindustrie hat nicht die Finger drin). Das ist schon mal ein Pro. Trotzdem kann ich alle Pflanzenliebhaber gleich mal beruhigen: aus meiner Sicht ist diese “Studie” von ihrem “Aufbau” her nicht ideal und sie weist einige Schwächen auf, die das Ergebnis meiner Meinung nach nicht 1:1 auf unsere Realität übertragbar machen.

Ich will gar nicht ins Detail gehen, das kannst Du bei Bedarf selbst tun. Die Studie findest Du hier “Nutrition and health – The association between eating behavior and various health parameters”. Mein wichtigster Kritikpunkt ist dieser:

Unvollständige Daten

Es erfolgte eine grobe Einteilung der Studienobjekte in Vegetarier, Fleischfresser mit hohem Gemüse- und Obstanteil, Fleischfresser mit geringem Gemüse und Obstanteil. Zu den Vegetariern zählen nur 0,2% Veganer, alle andere verzehrten Eier und Milchprodukte. Über die Fleischtruppe ist nichts bekannt, außer die Daten “mehr” oder “weniger”. Mein Problem dabei: wir wissen alle, dass Qualität und Herkunft der Lebensmittel einen großen Einfluss auf die Inhaltstoffe des Lebensmittels hat. Diese wurde nicht erfasst. Ebenfalls ist bekannt, dass die Aufteilung der Makronährstoffe (Kohlenhydrate, Fette, Eiweiß) und auch die Gesamtkalorien wichtige Faktoren sind, die erfasst werden müssen. Wurden sie erfasst? Nein, sonst würde ich mich hier ja nicht beschweren. Durch das Nicht-Erfassen dieser Daten weiß schlicht niemand, welche Diät denn verzehrt wurde.

Vegetarisch ist nicht gleich vegetarisch

Vegetarisch kann heißen viel Gemüse, etwas Obst, viele Nüsse, etwas Reis, reichlich Eier und Butter, Olivenöl, Oliven, Kräuter – aus meiner (steinzeit) Sicht zum Beispiel nach “perfect health diet” trotz des Verzichts auf Fleisch nach aktuellem wissenschaftlichen Stand tip top. Vegetarisch kann heißen täglich Vollkorn, reichlich Obst bis zum Abwinken, Industrieöle wie Sojaöl und Sonnenblumenöl, Sojamilch und Tofu – da pellen sich mir die Fußnägel, das ist die Horrornahrung für die Spezies Mensch, die uns 99% unserer Zeit auf diesem Planeten als Gattung Mensch nicht mal zur Verfügung stand.


Fleisch ist nicht gleich Fleisch
Obst ist nicht gleich Gemüse

Der Fleischfresser wird in der Studie auch nicht besser behandelt, er wird auch pauschalisiert. Vor allem in Bezug auf zwei Dinge: Qualität des Fleisches (die ist absolute Priorität) und es wird nicht differnziert zwischen Obst und Gemüse was ein absolut grober Fusch ist meiner Meinung nach.

Obst ist gesundheitlich ein komplett anderes Lebensmittel als Gemüse. Die meisten Gemüse enthalten hautpsächlich Ballaststoffe und Wasser mit geringen Anteilen an Zuckern und Stärke, Kartoffeln , Karotten, Mais etc. sind Ausnahmen (die wir Ketarier deshalb auch nicht essen). Dafür enthält Gemüse pro Kalorie oder ich rechne lieber pro Gramm Kohlenhydrat reichlich Mineralstoffe, Vitamine und Spurenelemente. Top Produkt also, ballaststoffreich, wasserreich, kalorienarm, kohlenhydratarm.

Jetzt kommt das Obst, das mit Gemüse so gern über einen Kamm geschert wird. Obst enthält neben dem üblichen Wasser und Ballaststoff (teilweise ganz wenig, manche Sorten etwas mehr) eine große Menge Zucker und – noch giftiger – Fruktose**. Der Anteil an Mineralstoffen, Vitaminen und Spurenelementen ist im Verhältnis zu Kalorien oder Kohlenhydraten pro Gramm verglichen mit Gemüse einfach dürftig. Das heißt nicht, dass ich komplett gegen Obst bin. Es ist eine tolle Süßigkeit, morgen habe ich meinen Carb Load und da werde ich zwei Birnen und eine Pamelmuse essen und freu mich drauf. Es ist auch definitiv die bessere Wahl, wenn man dafür einen Schokoriegel weg legt – aber Obst ist kein heiliger Gral der Ernährung, es ist in kleiner Menge okay.


Der Körper interessiert sich nicht für Labels “gesund” oder “ungesund”

Wir wissen mittlerweile, dass die meisten Krebsarten durch Zuckerkonsum gefördert werden (Neuere Wissenschaftliche Arbeit zum Thema; die Arbeit ist für mich fast noch weniger interessant wie die Quellenverweise, denen ich gefolgt bin) und alles was uns reichlich Zucker ins System spült ist kontraproduktiv was Krebsprävention angeht. Dazu bemerke ich für alle, die das nicht wissen: für unseren Körper ist Vollkornbrot, Reis, Vollkornnudeln etc. auch alles Zucker! Du isst Stärke, Dein Körper macht daraus Zucker. Biochemisch gibt es für Deinen Körper Null Unterschied zwischen Zuckern aus Obst, Vollkorngetreide oder meinetwegen Gummibärchen oder Coca Cola. Dieses “gesund” / “ungesund” Label macht Dein Körper auf die chemischen Komponenten vom Essen nicht drauf. Die Wirkung auf den Blutzucker ist je nach Menge der Ballaststoffe und mit verzehrten Fette langsamer (Vollkornbrot, Vollkornreis) oder schneller (Weintrauben, Ananas, Gummibärchen) aber die Botschaft ist unterm Strich Zucker, Zucker, Zucker.


Ein Ergebnis der Studie: mehr Gemüse und Obst schützen auch nicht besser vor Krebs

Dieses Ergebnis in der Fleischgruppe hat mich genau deshalb geärgert, weil eben nicht differentiert wird, ob das Studienobjekt Obst oder Gemüse gegessen hat. Zack kommt beides in einen Topf obwohl es biochemisch je nach Obst- und Gemüsesorte eine biochemische und hormonelle Reaktion im Körper nach sich zieht, die unterschiedlicher nicht sein kann. Es macht einen großen Unterschied, ob ich sehr gut mit Vitaminen und Mineralstoffen versorgt bin weil ich viel stärkefreies Gemüse zu mir nehme, aus BIO Anbau in möglichst geringer Schadstoffbelastung. Es macht sogar einen großen Unterschied, ob ich das roh verzehre, dampfgare oder tot koche bis es weich und matschig ist. Wenn die Studie dann nahelegt, dass man auf mehr Obst und Gemüse ruhig verzichten kann weil es eben auch nicht gesündern macht, ärgert mich das.

Genauso sieht es mit der Wirkung von tierischem Fett aus: wenn ich als Fleischfresser immer zum Aldi renne und mir das Fabrikfleisch aus miesen Haltungsbedingungen und getreide-Sojafütterung reinziehe, dann esse ich ein komplett anderes Produkt – biochemisch und hormonell gesehen – wie jemand, der sein Fleisch aus biolischer Weidehaltung mit Grasfütterung / Silage aus Gras im Winter bezieht. Die Fettsäurenkombination, der Anteil an Transfetten und Cholesterin – Weidefleisch ist ein anderes Produkt wie Ware aus der Massenproduktion.

Okay, diese Pauschalisierung machen Forscher nicht das erste Mal. Das erinnert mich beispielsweise an eine bekannte Studie, die einen Zusammenhang zwischen dem Verzehr von rotem Fleisch und Herzinfarkt bewiesen haben will. Die Studie war noch abstruser, weil 1. ein sehr spezielles Publikum befragt wurden, die unter chronischem Stress leiden (Krankenschwestern) und 2. die Auswertung an Hand von Fragebögen geschah, bei der dann beantwortet werden sollte, was man die letzten Jahre so gegessen hat. 3. Es wurde nicht geguckt, ob das rote Fleisch zum Beispiel als Fastfood kombiniert mit stark Entzündungsfördernden Substanzen wie Getreide und industriellem pflanzenöl (zum Beispiel Burger) verzehrt wurde, wie es zubereitet wurde (schonend oder mit stark angebrannten Teilen) und das alles verändert stark, was in uns und mit uns durch das Essen passiert. Alles andere als genau, haben natürlich Hochglanzmaganzine wieder Schlagzeilen draus gemacht und sich damit vor dem Fachpublikum blamiert, aber nun ja, so isses eben. Ne Schlagzeile ist wichtiger als der eigentliche Inhalt der Studie.

Do it yourself: Rechne Dir die Studie schön

Das Ausgangsmaterial der Studie arbeitet mit über 15 000 Leuten, für die Auswertung mit oben genannten Ergebnissen wurde auf Grund der geringen Anzahl an Vegetariern (330) die Studie kleiner gerechnet, also quasi noch 330 Fleischfresser mit viel Obst und Gemüse und 330 Fleischfresser mit nunja, viel Fleisch ausgewählt und diese gleich großen Gruppen, die auch in ihrer Altersstruktur und der Sozialen Struktur gleichwertig ausgewertet wurden. Der Grund für diese statistische Korrektur ist eine bessere Aussagekraft bezgl. der einzelnen Ernährungsweisen – so die Autoren. Rechnet man die Gesamtzahl der Studienteilnehmer und schaut die Werte an, kommt die komplette Antithese zum “Vegetarier haben 2,5x so häufig Krebs” raus. Noch dazu: dazu existiert von den gleichen Autoren auch eine Publikation. *peinlich* Was sagt uns das? Heißt es jetzt, dass es doch die Fleischfresser schlechter haben in der Auswertung? Ähhhh, ne. Es sagt uns vor allem eins: wenn ich mit den gleichen Daten auf unterschiedliche Schlussfolgerungen komme, also klargestellt: unterschiedlich wie Tag und Nacht: dann ist meine Auswertungsmethode für den Arsch und damit auch das ganze Gewerke um die “Studie” über die ich mich jetzt ein wenig aufgeregt habe.

Schön ist jedoch, dass den Autoren die Schwäche ihrer Studie bewusst ist und sie diese in ihrem Pamphlet auch angesprochen haben. Der Punkt zu den Schwächen der Studie ist größer als zu den besonderen Stärken. Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass mehrere Langzeitstudien notwendig sind, um genauere Ergebnisse zu liefern und räumen ein, dass es Unbekannte in ihrer Methode gibt, also beispielsweise war nicht klar, ob Menschen wegen ihrer Gesundheitsprobleme zu Vegetariern geworden sind oder ob sie die Gesundheitsprobleme vom Vegetarismus haben. Ärgerlich ist, dass das deutsche Apothekerblatt diese wichtige Relativierung der Studie gar nicht erst erwähnt haben.

Interessant dazu liest sich übrigens Keith Lierre – The vegeterian myth” – wenn man das schräge Kram über die Bäume mal raus lässt und vor allem ihre Studienlinks verfolgt, aber auch ihre eigene vegane Krankheitsgeschichte liest, dann bekommt man ein viel besseres Bild darüber, warum vielleicht die oben genannte Studie nicht ideal ist, um die Gesundheitsrisiken einer veganen oder streng vegetarischen zu beweisen, dass diese aber durchaus auch heute schon beweisbar sind. Insbesondere geht es darum, bestimmte Dinge nicht zu essen – es geht nicht darum, unbedingt Fleisch zu essen! Ihr Buch wird oft kritisiert, ich verstehe das in Teilen weil es gerade am Anfang – nun ja – funky ist, aber sie belegt ihre Argumentation und die Quellen sind verfolgbar und gut! Eine andere bekannte Ex-Veganerin ist Denise Minger, die uns in “Death by food pyramid” gut recherchiert und belegt erklärt, warum unsere offizielle Ernährungspyramide und auch die Empfehlung, sich fleischfrei zu ernähren, für den Arsch ist. Sie erzählt auch, welche Probleme sie durch ihre bereits in der Kindheit begonnene vegetarische Ernährung und später vegane Ernährung bekommen hat und wie lange es gedauert hat, bis sie körperlich wieder gesund war. Auch bei Weston A. Price (HIER, Website) findest Du viele Informationen darüber, wie eine gesunde Ernährung für den Menschen aussehen kann.

Weitere Leseempfehlungen / Filmemfehlung

Ich persönlich bin davon überzeugt, jeder muss für sich ganz persönlich die richtige Ernährungsvariante finden – nicht jeder reagiert positiv auf “das gleiche” , ich glaube deshalb, dass auch eine fleischlose Ernährung möglich sein kann, wenn man sich dabei trotzdem an die wichtigen Richtlinien der Paleo Ernährung hält, selbst wenn Paleo und fleischlos sich erst Mal widersprechen. Ich persönlich würde es mir nicht zutrauen, mich mit allen wichtigen Nährstoffen zu versorgen, ich habe auch gesundheitlich keinen Grund auf Fleisch zu verzichten. Top Blutwerte, super Fitness, mein Muskelanteil wächst langsam (hey das kommt auch vom Training, klaro), mein Fett schwindet sehr langsam aber es schwindet wieder, ich fühle mich gut, bin immun gegen Erkältungen und kann sogar Grippekranke/Magen Darm Kranke besuchen, ohne krank zu werden – deshalb würd ich nie im Leben etwas anderes versuchen oder wenn ich für jemanden einen Ernährungsplan mache, werde ich NIE einen vegetarischen Plan machen. Damit antworte ich auch gleich mal denen, die immer wieder danach fragen, just by the way. Wer davon überzeugt ist, wird sicher die Zeit und Energie aufbringen, für sich einen idealen Plan zusammen zu stellen, sich regelmäßig ärztlich kontrollieren lassen und darauf achten, Lebensmittel von hoher Qualität auszuwählen. Dann kann das klappen, nur wie gesagt: ich persönlich kenn mich nicht gut genug aus, um so einen wenig artgerechten Ernährungsplan gut zu gestalten.

Schaut Euch unbedingt den Film “The perfect human diet” an – der ist prima gemacht. Das hier ist nur der Trailer, ich habe ihn auf itunes angeguckt.

Viele liebe Grüße
Anne

**Du weißt nicht, dass isolierte Fruktose giftig ist? Schau Professor. Lustigs “Sugar – the bitter truth” auf Youtube oder lies sein Buch “Fat Chance”.