Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Post, der zwischen 2010 und 2015 auf dem Yourdietangel Blog erstmals erschienen ist. Seit den Anfängen meiner Bloggerzeit habe ich eine Menge dazu gelernt. Die alten Inhalte entsprechen nicht mehr zwangsläufig meiner aktuellen Meinung. Dieser Artikel enthält Affiliate / Werbelinks. Alles über Werbung auf diesem Blog findest du unter Werbung / Kooperationen.

Heute erreichte mich eine Mail von Sandra, die ich gerne hier im Blog beantworten möchte weil die Frage sicherlich einige von Euch im Kopf haben.

Sandra fragt “Ich verstehe es nicht…. Also wenn ich sagen wir mal 2000 kcal in Fett esse (80-90% Fettkal.) aber selbst Fett im Körper habe, dann verbrennt doch mein Körper kein eigenes Fett.”

Diese kleine Hirnblockade, wie Sandra ihre Denkweise nennt, ist ausgelöst von einem großen bösen Dämon, der uns Dicken und naja, eigentlich sogar der ganzen Welt, ins Hirn gebrannt wurde: KALORIENBILANZ.

Dreh und Angelpunkt dieser Denkblockade ist das immer noch von vielen offiziellen Quellen FALSCH dargestellte Bild, wie Abnehmen und Zunehmen funktioniert. Die Grundannahme: eine Kalorie ist eine Kalorie, oder zum Abnehmen muss man nur weniger Kalorien essen als man dann verbraucht, führt ganz schnell in eine enge Sackgasse wenn es um echte Lösungen “gegen” das Übergewicht geht.

Gesetz der Thermodynamik für uns ungültig?

Als Krönung der “Kalorienbilanz” werden die Gesetze der Thermodynamik herangezogen und schon sitzt eine falsche Annahme fest im Sattel, weil sie durch Physik & Mechanik ja so scheinbar zweifelsfrei belegt worden ist. Ist sie zweifelsfall belegt worden? Und wirft die Gegenannahme, dass Kalorienzählen unrelevant ist, die Gesetze der Thermodynamik über den Haufen?

Beide Antworten lauten hier Nein.

1. Annahme der “Kalorienbilanz” Fraktion

Wenn ich mehr Energie verbrauche, als ich zuführe, dann nehme ich ab. Damit verbunden ist die freche Annahme, dass der Körper bei einem Energiedefizit sofort anfängt, sein Körperfett zu verbrennen. Diese Annahme ist falsch.  Während es unstrittig ist, dass tatsächlich Energie umgewandelt wird, ist die Schlussfolgerung, es handle sich dabei um Fett, mindestens gewagt.

Wunschdenken nennt man das. Der Körper ist in der Lage, ebenso seine Energie über das Auflösen von Körpereiweiß zu gewinnen und den eigentlichen “Energieumsatz” nach oben oder unten anzupassen. Unsere Energiebilanz und das Gesetz der Thermodynamik sind zweifelsfall korrekt – nur können wir diese Energiebilanz nicht berechnen oder durch Kalorienzählen langfristig regulieren. Das tut der Körper selbst! Wenn denn alles richtig läuft.

2. Wer oder was entscheidet darüber, ob hauptsächlich Körperfett , Muskel-/Funktionsgewebe zur Deckung des Energiebedarf herangezogen wird?

Hier kommen wir zum wirklich entscheidenden Teil, der verstehen lässt, warum das platte “Kalorien sparen macht schlank” so eben nicht funktioniert: diese Entscheidung fällt in unserem Körper über hormonelle Steuerung. Hormone bestimmen, ob wir Fett abbauen und uns dabei gut fühlen, ob wir überhaupt nenneswert Fett verbrennen oder ob unser Körper immer und ständig jedes kleine Fitzelchen Energie speichert, während das Kaloriensparen unsere Muskelmasse reduziert. Die wichtigste hormonelle “Steuereinheit” ist unser “Setpoint” . Der “Setpoint” ist ein ganz bestimmter Fettanteil, den unser Körper mit aller Kraft erhalten will. Oft liegt der Setpoint deutlich höher, als es gesund oder für uns persönlich wünschenswert wäre.

Deshalb ist der persönliche “Setpoint” bzw. seine Höhe das eigentliche Zünglein an der Waage!- Zumindest wenn wir uns für langfristige Gewichtsregulation interessieren – also über Monate hinweg. Dass mit Kalorienzählerei und Crashdiäten in ein paar Wochen erst Mal die Kilos schwinden, steht außer Frage – doch das böse Erwachen kommt, wenn die Kilos wieder raufpurzeln und noch neue Freunde mitbringen.

Der Setpoint wird durch unser entweder gut funktionierendes hormonelles “Feuerwerk” niedrig gehalten. Leute, die problemlos schlank bleiben und dabei alles essen können und noch nicht mal Sport machen müssen kennt jeder. Das sind Menschen, deren Setpoint von Natur aus niedrig ist. Dann gibt es die Menschen, die machen können was sie wollen und immer viel zu dünn sind, egal was sie tun. Deren Setpoint ist von Natur aus “zu niedrig”.

Während uns das als Dicker natürlich “besser” erscheint als unser Schicksal, wissen wir von den wenigen Magersüchtigen (nicht Esskranken!) aus unserer Community, dass deren “Los” ebenso schwer trägt wie das unsere. Wir Dicke haben einen erhöhten Setpoint, also einen erhöhten Fettanteil, den unser Körper mit aller Kraft erhält. Auch wenn es nicht hier her gehört, es macht jedoch klar, wie unfair es ist, schlanken Menschen ihr Schlanksein als positive Charaktereigenschaft anzurechnen, während es sich um eine biochemische Eigenschaft handelt.

Wie reguliert der Körper den Fettanteil langfristig auf Autopilot?

Dass er das über Hormone erreicht, wissen wir. Ich finde “Hormone” – das Wort kennt ja jeder – aber es ist eine sehr abstrakte Erklärung. Damit Du besser erkennen kannst, wie Du selbst von diesem Autopiloten gesteuert wirst, gebe ich Dir Beispiele.

Beispiel 1: Kalorienreduzierte Diät

Deine Sicht : Du sparst Kalorien mit Deiner Diät. Dein Grundumsatz liegt bei 1800 Kalorien, Du isst nun 1300 -1500 Kalorien Kalorien am Tag. Lowfat, so wie es Dein Arzt Dir empfohlen hat. Hört man ja auch überall, wenn der Körper wenig Fett aus der Nahrung kriegt, dann nimmt er Körperfett ab. Logisch, oder?

Du hast ausgerechnet, wenn Du das so durchziehst, dann verlierst Du pro Woche 1 Kilo. Immerhin sparst Du etwa 7500 Kalorien pro Woche, denn Du machst Ausdauersport so oft Du kannst, damit Du noch zusätzlich Kalorien verbrennst. Du bist motiviert, weil Du in der ersten Woche gleich drei Kilo abgenommen hast. Dabei hast Du pro Tag nur 500 Kalorien gespart und durch die Sportrunden auf Fettverbrennungspuls das Kaloriendefizit noch mehr gesteigert. Es ist Deine x-te Diät, Du hoffst, dass Du endlich durchalten kannst.

Die Sicht Deines Körpers: Heute morgen habe ich festgestellt, dass zu wenig Energie rein kommt. Ich brauche mindestens 2300 Kalorien am Tag, noch dazu zappelt die Alte neuerdings ständig. Wir müssen in Not geraten sein. Ich höre kaum noch das Satt-Signal von Agent Leptin, immerzu höre ich nur wie Agent Insulin aus der Steroidhormonabteilung schreit, wir müssen dringend Fett speichern. Der Typ macht vielleicht einen Radau, aber er hat Recht. Wir sind nach der letzten Energiekrise (aka Diät) zum Schluss gekommen, dass wir zur Sicherung unseres Überlebens mindestens 106 Kilo wiegen müssen. Der Setpoint steht fest. Es patroulliert auch hauptsächlich noch Agent Ghrelin, der für Hunger zuständig ist. Der könnte ruhig noch etwas lauter schreiben, die Alte scheint ihn nicht zu hören. Es wird Zeit, aktiv zu werden. Das Fett muss geschützt werden. Hier sind meine Befehle: Agent Ghrelin, Agent Insulin – ran an die Arbeit. Alle Chylomikronen und ASP auch raus aus dem Winterschlaf. de novo lipogenesis – also Fettneubildung – ist zum Glück kein Problem, die Alte schiebt mit den vielen Lowfat Kohlenhydraten genug Glycerol-3-Phosphat rein, dass wir massig neues Fett bauen können.

Es steht Arbeit an. Wir müssen zusehen, dass unsere Vereinbarung auf 106 Kilo langfristig nicht gefährdet wird. Ich gebe eine neue Vorschrift raus wegen der aktuellen Energiekrise: das Überleben der Organe muss sicher gestellt werden, damit wir die Krise überstehen. Deshalb wird ab jetzt Energie gespart, alle Systeme sind aufgefordert, sofort ihren Energieverbrauch zu senken. Das Gehirn, die Leber und Muskeln haben bemängelt, dass ganztags nicht ausreichend Zucker zur Verfügung steht und angefragt, ob zusätzlich Energie aus Fett gewonnen werden darf. Da wir Fett sparen müssen wegen dem Setpoint, kann ich das so nicht genehmigen. Ich weise daher an, dass zur Deckung des Energiebedarfs Muskulatur bevorzugt wird um den benötigten Zucker herzustellen und Fett nur zu einem winzigen Bruchteil zu nutzen. Das ist ohnehin sicherer, weil die Muskeln so verdammt viel Energie verbrauchen und die Alte ja auch nur die Typ1 Fasern benutzt. Lass uns alles “Energiefressende” einreißen.

Deine Sicht: Du bist häufig müde, psychisch instabiler als sonst. Es wird immer schwerer, Versuchungen zu widerstehen, es kostet Dich im wahrsten Sinne des Wortes die letzte Kraft, immer wieder “nein” zu sagen. Die Zweifel kommen in Dir hoch: wirst Du es dieses Mal schaffen? Du musst es einfach schaffen, Du willst nicht schon wieder versagen. Heißhungerattacken versuchst Du, durch Sport auszugleichen. Dich zum Sport aufraffen fällt Dir zusehens schwerer. So hart hattest Du Dir das Abnehmen nicht vorgestellt. In Deinem Kopf ist immer wieder diese kleine Stimme (Agent Ghrelin), die Dich verfolgt: sie sagt Dir iss was, iss mehr, bleib auf der Couch sitzen, leg Dich noch etwas hin. Die Heißhungerattacken kommen öfter, vielleicht schaffst Du es noch zum Sport, vielleicht nicht. Vielleicht wirst Du gereizt, vielleicht einfach nur träge. Diäten machen schlechte Laune. Du hast schon oft gehört, dass Leute durchs Abnehmen zwar zu weniger Körpergewicht, aber auch zu nachlassender Lebensfreude gefunden haben. Na toll. Aber es nützt alles nichts, da musst Du jetzt durch. Der UHU** ist in greifbarer Nähe. Die Ergebnisse auf der Waage werden auch schon weniger motivierend. Vielleicht hast Du langsam auch den Stillstand erreicht. Kurzerhand entscheidest Du Dich, noch etwas weniger zu essen und/oder mehr Sport zu machen. Es muss doch irgendwie möglich sein, schlank zu werden. Dieses Mal gibst Du nicht auf, das hast Du Dir fest vorgenommen. Wenn nur die kalten Füße und Hände nicht wären und die zunehmende Müdigkeit. Selbst nach einer ganzen Nacht Schlaf bist Du nicht richtig erhohlt. Das nervt so. Du bist stolz auf Dich, weil Du trotz allen Härten durchältst.

Die Sicht Deines Körpers: Der Energiemangel hält jetzt schon Wochen an, es steht immer weniger Energie zur Verfügung. Ich höre Agent Leptin (Sättigungssignal, Signal dass genug Fett in den Speichern ist) überhaupt nicht mehr, stattdessen schwirrt hier nur noch und ständig Agent Ghrelin rum und 5-7 Mal am Tag eine ganze Horde Agents Insulin. Vielleicht haben wir einen Fehler beim Festsetzen des Setpoints gemacht? Die Bedingungen scheinen härter geworden zu sein. Ich setze also fest, dass der Setpoint von 106 Kilo ein Irrtum war und erhöhte den Setpoint um 20%. Also sagen wir auf 121,2 kg. Dieses Ziel streben wir langfristig an, sobald die Energiekrise behoben ist. Weiterhin erlasse ich ergänzende Sparmaßnahmen: wir erhöhen die Verbrennung von Muskulatur zu Zucker und ich fordere Agent Insulin und auch die Kollegen Chylomikronen und ASP auf, aus jeder Kalorie das maximale an Fett zu speichern. Die Systeme können weiter heruntergefahren werden, wir sorgen alle gemeinsam dafür, dass die Alte noch etwas ruhiger wird. Im Notfall darf Fett aus den Speichern mit verbrannt werden, um kurzfristig zu überleben. Bitte zum neuen Setpoint die Anweisung notieren, dass wir auch nach Beendigung des Energiemangels die Sparmaßnahmen aufrecht erhalten, damit wir zügig unseren neuen Setpoint erreichen können. Der neue Grundumsatz wird von mir auf 1500 Kalorien festgelegt.

Deine Sicht: Langsam wird jeder Tag schwerer. Aber Du schaffst es, Du kämpfst. Der Heißhunger wird manchmal unerträglich, die Konzentration fällt schwerer. Obwohl Deine Waage sagt, dass Du schon ordentlich Kilos gelassen hast, sieht Dein Körper im Spiegel nur unwesentlich besser aus. Du würdest ja mehr Sport machen für eine gute Figur, Du hast aber weder noch mehr Zeit und auch keine Kraft mehr. Dafür bist Du jetzt ein Uhu. Endlich. Das Halten des Gewichts soll ja am schwierigsten sein, Du erwägst, eine kleine Pause zu machen, damit Du Dich erholen kannst. Die Müdigkeit und Trägheit und Deine schlechte Laune nerven auch schon Deine Umgebung. Du entschließt Dich, für ein paar Wochen wieder etwas mehr zu essen. Du isst nun 1800 Kalorien, also Deinen (theoretischen) Grundumsatz. Das sollte verhindern, dass Du zunimmst und Deine Energiereserven auffüllen, schlussfolgerst Du. Sport machst Du natürlich weiter, Du willst ja nicht aus der Form kommen, es soll in ein paar Wochen ja noch näher an Dein Wunschgewicht von 80 Kilo bei 1,80 gehen.

Die Sicht Deines Körpers: Gute Nachrichten, Leute. Es kommt wieder mehr Energie rein. Die Anweisungen kennt ihr, der neue Setpoint steht. Damit wir das neue Ziel zügig erreichen, bitte ich alle Truppen ihre Arbeit weiter intensiv zu verfolgen, als würde der Energiemangel noch bestehen. Falls wieder Energiemangel eintritt, erlasse ich schon im voraus den Beschluss, dass wir den Grundumsatz noch schneller anpassen, um 100% langsamer Gewicht zu verlieren.

Deine Sicht: Du fühlst Dich mich mehr Kalorien nicht wesentlich besser, im Gegenteil. Durch das “Wegfallen” der strengen Regeln scheinst Du irgendwie verfressener geworden zu sein (Agent Ghrelin in Hochform, während Agent Leptin nicht mehr hörbar ist). Du hast immer mehr Appetit, es fällt Dir schwer, die Portionen zu kontrollieren. Die Schwierigkeit beim Halten scheint also eine Charakterschwäche zu sein. Deine Schwäche. Weil Du zu doof bist, Dein Essen zu kontrollieren, Dich im griff zu haben. Weil Du schwach wirst. Zum Sport schleppst Du Dich hin, hast aber nicht wie erwartet viel mehr Power. Auf der Waage kriegst Du nen Schock: das Gewicht steigt wieder nach oben. Daraufhin senkst Du ganz schnell wieder Deine Kalorienmenge und beginnst mit einem weiteren Abstieg in der Tal des “Setpoint” Todes.

Stichpunkte aus Jonathan Bailors wissenschaftlich belegtem “Calorie Myth” über diese Aufwärts-Abwärtsspirale:

1. Wer Kalorien spart, senkt zügig den Grundumsatz während der Setpoint gesteigert wird.

2. Wer zum zweiten Mahl kalorienreduziert diätet, verliert 100% langsamer an Gewicht und nimmt 400% !! schneller wieder zu. Beim dritten Mal verschlechtert sich die Situation weiter usw.

3. Nach 5 Jahren haben 94,2% der Kalorienreduzierten Diätpatienten 120% ihres Ausgangsgewichts (deshalb habe ich in dem Beispiel den Setpoint von 106 auf 121,2 verschoben. Die 20% ist also keine Zufallszahl!)

4. Eine Kalorienreduzierte Diät ist nach Bailor LANGFRISTIG (Zeitraum 5 Jahre) schlechter als Nichtstun. Bailor argumentiert mit vielen dargelegten Studien, und auch mit etwas, was viele “Dicke” kennen: man nimmt zu bis zu einem bestimmten Punkt und von da an “hält” man quasi “mühelos” das eben erhöhte Gewicht. Dahinter steckt auch der Setpoint. Der Körper hält dann z.B. 106 Kilo, 120 Kilo oder auch 200 Kilo für sein Zielgewicht und tut alles über die oben GROB beschriebene hormonelle Regelkette, um uns langfristig auf diesem Niveau zu halten.

5. Natürlich “zählen” Kalorien bzw. die aufgenommene Menge der Energie. Allerdings ganz anders, als angenommen. Nicht die Menge der Kalorien sondern die QUALITÄT der Kalorien ist der magische Schlüssel zum Abspecken. Wie das funktioniert, kommt in Beispiel 2. Zunächst legen wir fest, dass der Setpoint unser eigenetliches “Abnehmziel” ist, und zwar möchten wir ihn senken. Dazu lernen wir erst Mal, was ihn steigert:

5. Der Setpoint wird angehoben durch

– Kalorienreduktion

– Schlafmangel / Unregelmäßigkeit

– mangelnde Bewegung / falsche Bewegung

– industriell stark verarbeitete Lebensmittel

– kalorienhaltige Süßungsmittel / Süßungsmittel mit Wirkung auf den Blutzuckerspiegel

– Fruktose

– Stärke und Zucker

Insulinresistenz, Diabetes Typ 2

Leptinresistenz (Körper hört das Sättigungsignal nicht mehr)

– Genetik

Nach weiteren Autoren (Die Hormon Revolution, Paleo RX)

– Östrogendominanz

– Testosteronmangel (vorrangig beim Mann)

– DHEAS Mangel (beide Geschlechter)

– Medikamente wie Beta Blocker, Cholesterinsenker, Cortison

– Schilddrüsenunterfunktion / autoimmune Schilddrüse

BEISPIEL 2: schlauer essen, schlauer bewegen

Deine Sicht: Du hast Dich intensiv informiert und gelernt, dass Kalorienzählen nicht funktioniert und Kaloriensparen mehr schadet als nützt. Du hast Dich für eines der vielen recht ähnlichen Konzepte entschieden: Paleo Ernährung, Ketogene Ernährung, AZTD, 10 Weeks Body Change etc. PP und dieses Programm den neuen Erkenntnissen angepasst. Sprich: Du zählst keine Kalorien weil Du weißt, das macht keinen Sinn. Immerhin müsstest Du dazu nicht platt ermitteln, wieviel Kalorien Du täglich nach einer Liste mit Größe, Körpergewicht und Aktivität verbrauchst, sondern diesen Wert nach Deinem Setpoint und Deiner hormonellen Lage bestimmen. Unmöglich, nicht wahr?

Du stellst Deine Ernährung komplett um und verzehrst täglich reichlich stärkefreies Gemüse, zu jeder Mahlzeit Eiweiß in der von Dir bevorzugten Form (das geht auf vegetarisch), natürliche Fette wie Avacados, Nüsse, Samen, Butter, Olivenöl, fette Fische, Eigelb und täglich 0-2 geizige Portionen fruktosearmes Obst. (Beeren, Zitrusfrüchte). Du isst 3-6 Mal täglich eine Eiweißmahlzeit mit reichlich Gemüse. Mindestens der halbe Teller ist voll davon. Du trinkst viel Wasser, Grüntee und ungesüßte andere Tees, ab und zu Kaffee mit etwas Butter oder einem Schuss echter Sahne. Aus Brot, Reis, Pasta und Co. verzichtest Du, ebenso wie auf Zucker und alle ungeeigneten Süßstoffe. Stevia, Xylit und Erithirol sind Deine besten Freunde, wenn Zuckerersatz sein muss, im Notfall auch Splenda. Für Süßstoffe hältst Du Dich an die Regel: so wenig wie möglich, am besten keine. Nur wenn sie helfen, auf Zucker in einer Situation zu verzichten und clean zu bleiben.

Als Sportprogramm hast Du die schlaue Variante gewählt: du hast Dich für Krafttraining nach “Body by Science” entschieden. Statt vieler fiebriger Sporteinheiten in der Woche mit dem Ziel, durch viel “Fettverbrennungspuls” Bewegungen Kalorien zu verbrennen, setzt Du auf das wirklich starke Pferd. Das exzentrische Krafttraining.

Das exzentrische Krafttraining/Negativtraining hat nämlich einen entscheidenden Vorteil: nur die extreme Belastung stimuliert eine wichtige kleine Art der Muskelfasern: Typ 2b heißen die kleinen Biester, die mit riesen Abstand den größten Effekt auf – tadaaaaaaa – die Senkung des Setpoint haben. Den gleichen Effekt, den Du mit 10-15 Minuten dieses Trainings erzielst, kriegst Du sonst nicht mal mit 12 Stunden von regulärem leichten Training wie z.B. das ewige Rumreiten für lange Zeit auf Ausdauergeräten (womöglich noch so “lasch” dass Lesen oder TV gucken möglich ist) oder mit vorsichtigem Krafttraining mit geringen Gewichten. Beides ist nett zur Erholung, also regenerativer Sport, aber den Setpoint drückt es nicht runter. Das weißt Du. Und deshalb freust Du Dich, dass 12 Minuten Training reichen können pro Woche. Dann allerdings die 12 härtesten Minuten, die Du überhaupt leisten kannst.

(Lies dazu auch “Mehr essen, weniger trainieren” in meinem Blog)

Auf der Waage tut sich erst Mal nicht ganz so viel, deshalb mottest Du die Waage für 3 Monate ein. Das Maßband wird reichen. Wenn Du Hunger hast, isst Du. Du hast kein stressiges Sportprogramm – 1 Mal 12 Minuten die Woche schafft jeder, selbst die beschäftigste Mutter oder der eingespannteste beruflich Aufsteigende – kriegt die hin. Super, so entspannt hast Du noch nie versucht, Dein Gewicht zu ändern.

Die Sicht Deines Körpers: Irgendwas ist anders. Ich glaube die Umweltbedingungen haben sich verbessert, plötzlich kommt immer genug Energie. Besonders begeistert bin ich, dass viele Baustoffe zur Reperatur und zum Aufbau meiner Funktionseinheiten rein kommen, das ist auch gut so. Die Alte hat wohl kräftig muskulär zu ackern. Ich sollte die Muskulatur aufbauen und in der Qualität verbessern, es müssen mehr Hochleistungsfasern her. Zum Glück kommt auch genug Fett, das brauche ich für den Bau der Zellwände. Einzig das Gehirn und die Muskeln meckern etwas, weil sehr wenig Zucker rein kommt. Ich höre jetzt viel öfter Agent Leptin, den Sättigungsbeauftragten. Die Fett-Speicher scheinen sehr gut gefüllt zu sein, so oft höre ich ihn sogar. Es kommt auch genug Fett von außen, also können wir auch Ketonkörper bauen, damit Hirn, Organe und Muskeln ihre Energie damit decken. Deren Gemecker erträgt ja sonst kein Mensch. Glucose wird überbewertet. Der Hungerlappen-Agent Ghrelin ist jetzt seltener vor Ort. Na macht nix. Agent Insulin und all sein Gefolge sehe ich auch seltener, vor allem lärmt der nicht ständig. Ist auch nicht viel zu tun für alle. Es kommt viel weniger Zucker*** rein, da ist die Fettspeicherung auch durch ASP und Chylomikronen schlecht möglich, weil einfach das Glycerol-3-Phosphat fehlt, das zum Umbau in die Triglyceride – die Speicherform des Fetts – nötig wäre. Es sieht ganz so aus, als ob wir im Überschuss leben. So laut, wie ich Agent Leptin höre, während Agent Insulin und seine Kollegen nur flüstern, kann ich den Setpoint etwas nach unten anpassen. Wir können mehr Energie verbrennen und viel Energie in den Aufbau von Muskelgewebe stecken, was offenbar dringend benötigt wird- der Anstrengung nach zu urteilen. Gerade Typ2b scheint plötzlich gefragt zu sein.

Deine Sicht: Du spürst, dass Du viel seltener hungrig bist als früher. Nach den ersten Tagen der Umstellung, in denen Du Dich mies gefühlt hast, geht es Dir plötzlich richtig gut. Du hast Energie, Lust was zu unternehmen und vor allem fühlst Du Dich zum ersten Mal in der Geschichte des “Abnehmens” nicht von einem Mangel bedroht. Du weißt: solltest Du Hunger haben, kannst Du einfach essen. Alles was Du beachten musst, ist die richtige Wahl beim Essen zu treffen und es ist dabei nicht nur Gemüse erlaubt sondern auch Eiweiß und Fett. Du schläfst jetzt so regelmäßig, wie es Dein Tagesablauf erlaubt. Wenn Du den Luxus hast, dann richtest Du Dich dabei nach dem Sonnenaufgang/Sonnenuntergang – oder tust innerhalb Deiner Möglichkeiten Dein Bestes, einen regelmäßigen Tagesrhytmus zu haben. Das exzentrische Krafttraining ist wirklich die Hölle, das streitest Du nicht ab. Manchmal tut Dir nach dem Training Sonntags noch Donnerstag der Arsch weh. Du siehst im Spiegel, wie sich Deine Körperform verbessert und bemerkst Veränderungen Deiner Körpermaße. Was Dich besonders erstaunt: emotional eating, Frustfressen, Heißhunger – all das ist plötzlich verschwunden. Weil Du informiert bist weiß Du, das liegt daran, dass Du nicht gegen Dein Hormonsystem arbeitest und Dir zum Beispiel Agent Insulin und Agent Ghrelin mit Gelüsten, Blutzuckertiefs/Hochs etc. einflüstern, Du müsstest jetzt träge werden und mehr essen. Du arbeitest mit Deiner neuen Lebensart nicht gegen Deinen hohen Setpoint, in dem Du Dinge tust, die ihn erhöhen – sondern mit Deinem Setpoint, in dem Du Dinge tust, die ihn niedriger machen. Einfach gesagt erreichst Du das:

Die Sicht Deines Körpers: In letzter Zeit laufen die Dinge so gut, dass ich den Setpoint nach unten setzen kann. Sagen wir mal vorerst von 106 Kilo auf 100 Kilo. Dann sehen wir weiter. Wir haben immer genügend Energie, die Fettdepots sind voll, also Leute, lasst uns ruhig verschwenderisch sein, wir liegen aktuell einige Kilos über unserem neuen Setpoint. Achtet bitten darauf, möglichst das Fett zu verbrauchen und nicht zu viel Eiweiße in Zucker umzubauen, wir brauchen die. Die Alte macht neuerdings irgendwas super anstrengendes, da will ich alle Mann bei der Reperatur sehen und niemanden, der unnötig Baumaterial verschwendet oder noch schlimmer, welches frisst um daraus Zucker zu machen. Zur Umwandlung in Zucker sind nur beschädigte Strukturen, körperfremde Eiweiße (Viren, Bakterien..) usw. freigegeben, ansonsten nutzt ihr Ketonkörper oder freie Fettsäuren für Euren Energiebedarf.

Deine langfristige (Aus)Sicht: Nach drei Monaten hast Du ein paar Kilo mühlelos abgenommen, was aber noch wichtiger ist: Dein Körper sieht viel besser und gesünder aus, Du fühlst Dich fit und leistungsfähig. Dein Blutbild hat sich deutlich verbessert, Diabetiker (II) brauchen häufig weniger Medikamente oder können sogar darauf verzichten, Zeichen der Insulinresistenz sind weg, Hunger und Sättigung funktioniert wieder zuverlässig. Sofern keine Störungen bei Deinen Sexualhormonen vorliegen, ist Dein Cholesterinwert (LDL) gesunken, der HDL Wert angestiegen und die Triglyceride sollten auf einen Wert unter 100 abgesunken sein. Du hast Deinen Setpoint gesenkt und kannst ohne Hungern und ohne unrealistisch viele Sporteinheiten in der Woche Deinen Setpoint langfristig weiter senken – oder irgendwann dann auch halten. Du nimmst natürlich langsamer Gewicht ab als mit egal welcher Kaloriensparerei – kommst dafür in Genuss, aus dem ewigen Jojo auszusteigen. Denn so kannst Du Dich für den Rest Deines Lebens ernähren, so kannst Du Dich für den Rest Deines Lebens bewegen. Es wird nichts unmögliches von Dir erwartet. Und das Beste ist, das System funktioniert nach etwa 4-6 Wochen konsequenten Durchhalten auch dann, wenn Du beispielsweise 1x in der Woche einen Tag “frei” nimmst und Dir mal Pizza, Pasta oder Süßigkeiten etc. gönnst. Es funktioniert sogar, wenn Du von Anfang an nur 6 Tage, oder sogar noch 4 Tage in der Woche diesem System folgst, und an den anderen Tagen normal lebst.

Je nach dem, wie hoch Deine Ziele sind und wie stark Dein Setpoint erhöht ist, kannst Du selbst darüber entscheiden, wie viel Du änderst. Das hat lediglich Einfluss auf das Tempo des Erfolges und wie tief Du den Setpoint runter bringen möchtest. Egal für was Du Dich entscheidest, mit dieser Lebensart kannst Du nur gewinnen, selbst wenn Du damit sagen wir nur 5 Kilo im Jahr abnimmst weil Du die meisten Tage in der Woche anders lebst, dann sind es dauerhaft 5 Kilo weniger usw.

Die Sicht von Jonathan Bailor:

1. Der Körper reguliert automatisch einen festgelegten Körperfettanteil. Um dauerhaft abzunehmen, muss dieser Wert nach unten gesenkt werden.

2. Typ2b Muskelfasern , die durch intensivstes Krafttraining von hoher Qualität stimuliert werden, haben den mit Abstand größten Einfluss auf die hormonelle Lage. Die Stimulation dieses Muskelfaser Typs zeigte in Studien, dass das metabolische Syndrom / Insulinresistenz / Diabetes 2 dadurch aufgehoben werden kann, die hormonelle Steuerung wird normalisiert. Normales Ausdauertraining und leichtes Krafttraining (mit mehr als 6-8 Widerholungen und mehr als 1 Satz pro Übung) tangiert hauptsächlich Muskelfasern des Typs 1, die kaum einen Einfluss auf das Hormonsystem und den Setpoint haben.

Der Setpoint wird gesenkt durch

– natürliche Lebensmittel (Gemüse, Eiweiß, natürliche Fette, fruktosearmes Obst, Nüsse, Samen)

– Verzicht auf Stärke und Zucker****

– regelmäßiger Tagesrhytmus

– ausreichend Schlaf (>8 Stunden)

– Insulinsensitivität

– Leptinsensitivität (natürliches Sättigungsgefühl, auch BEVOR der Dehnungsreiz des Magens “voll” beurkundet)

– normal-niedriger, gleichmäßiger Blutzuckerspiegel

– niedriger Insulinspiegel

– Qualitativ hochwertige Muskulatur (Typ2b Fasern)

Nach weiteren Autoren (die Hormon Revolution , Paleo RX)

– ausgeglichene Sexualhormone (DHEAS,Testosteron,Östrogen,Progesteron)

– Anpassung an den natürlichen Tag- und Nachrhythmus

– Behandlung von Unterfunktion der Schilddrüse (TSH basal soll idealer weise auf 0,3-0,5 , aber mindestens unter 1 eingestellt sein bei Übergewicht)

– Veränderte Ernährungs/Lebensweise um oben genannte Medikamente zu vermeiden

 

Essen und Hormone – Skaldemann erklärt (Autor von Lose weight by Eating / Abnehmen durch Essen und Begründer der LCHF ***** Bewegung)

Sten Sture Skaledemanns Erklärung, wie unser Essen darüber bestimmt, ob unsere Hormone mit der Info “Fett speichern” oder “Fett verbrennen” reagieren, finde ich auch sehr hilfreich um zu verstehen, warum die von Bailor vorgeschlagenen Ernährungsänderungen schon 90% des Erfolges ausmachen, selbst wenn Du keine Lust auf den Sport hast. (Das wäre schade, ist die Hölle aber funktioniert toll).

Skaldemann erklärt, dass jeder Hauptnährstoff mit einer Botschaft in unseren Körper kommt, auf den eine hormonelle Reaktion erfolgt. Die Botschaften der einzelnen Makronährstoffe lauten:

Kohlenhydrate – “Speichere Fett”

Eiweiß – “Meistens verbrenne Fett, unter Mangelernährung wie Kaloriensparen außerhalb der Ketose jedoch “verbrenne Eiweiß zu Zucker – und damit auch das körpereigene Eiweiß wie Muskeln”)

Fett: “Verbrenne Fett”.

(Ganz lang erklärt in meinem Artikel: So funktioniert die 4500 Kalorien Diät)

Folge dieser Botschaften im Essen ist dann die Verhaltensweise des Körpers, der hormonellen Reaktionen und last but not least die Steuerung des Setpoints nach oben oder nach unten. Fett essen macht nicht unbedingt dick, viele Kalorien essen macht auch langfristig nicht dick. Die falschen hormonellen Signale machen dick, hormonelle Signale die nicht mehr gehört werden, machen dick (Insulinresistenz, Leptinresistenz).

Bedeutet das, ich kann jeden Tag 5000 Kalorien essen, wenn nur der Fettanteil bei 90% liegt?

Äh. Nein. Oder sagen wir: nicht unbedingt. Die Kalorien sind unrelevant für UNS – also es ist unrelevant sie zu zählen und auch gar nicht möglich in der Präzision, mit der unser Körper das auf Autopilot tut, wenn das Hormonsystem wieder in Stand gesetzt ist. Dass Kalorien nicht relevant für UNS sind – Das bedeutet nicht, dass wir unseren Hunger / Sättigung ignorieren können oder sollen. Angenommen, Du bist ein schwerer Sportler, der dann gut mal 5000 Kalorien verdrückt, nicht weil er sie gezählt hat und das für seine Bilanz hält sondern weil sein Appetit (gesteuert vom Hormonfeuerwerk des Körpers) dafür sorgt, dass automatisch sein Setpoint bewahrt wird, dann kannst und vor allem WIRST Du 5000 Kalorien essen. Wenn Du eine 1,55 kleine Frau mit 40 Kilo Übergewicht bist, die im Büro arbeitet und auf Krafttraining verzichtet, dann kannst noch WIRST Du langfristig 5000 Kalorien der vernünftigen Lebensmittel verzehren, weil Dein Körper das nicht zulassen wird sondern dann gegensteuert, in dem er Deinen Appetit senkt und Deinen Bewegungsdrang steigert.

Erkenntnis: das “zu viele Kalorien” essen geht nur mit unnatürlichen Lebensmitteln, die unseren Körper und das natürliche Sättigungsgefühl verwirren durch unnatürliche Kombinationen aus Fett, Zucker/Stärke und Salz oder noch gemeineren Dingen wie künstlichen Süßstoffen, darunter insbesondere fruktosereiche Sorten wie HFCS oder Agavendicksaft, Geschmacksverstärkern und Aromaten zum Überessen anheizen. Lies dazu auch “It starts with food” von den Hartwigs.

Genug essen, sich satt essen ohne Portionen pingelig zu kontrollieren und sich darüber zu stressen, wie viele Kalorien man nun gegessen hat, führt nicht zu langfristiger Völlerei. Es bedeutet nicht, dass gezieltes “Auffetten” nötig ist, selbst wenn es scheinbar möglich ist (ich habe mit den 4500 Kalorien 90-95% fett prima abgenommen letztes Jahr, fast die ganzen 20 Kilo die ich durch die Medis zugenommen habe, waren nach 12 Wochen weg).

Bailor bietet da die Erleichterung und Erklärung, und erklärt mir auch, warum ich nicht langfristig einfach so weiter machen konnte. Durch meinen Leptinreset nach Dr. Kruse (Paleo RX) hat sich mein Setpoint wieder gesenkt und mein Körper hat abgenommen trotz der möglicherweise “zu vielen” Kalorien. Wie er das gemacht hat? Nun ja, im Gegensatz zu früheren Hardcore Diäten mit wenig Kalorien, die ich durch hatte – machte mich diese Ernährung zu einer Hitzemaschine. Ihr könnt Euch nicht vorstellen, wie viel Hitze ich abgegeben habe. Das fing schon beim Essen an, schwitzen wie Sau, teilweise Schweißperlen auf der Stirn. Ich konnte nicht still sitzen. Sport, Gassi, Action – ja, ich war vorne mit dabei. Ich war in Ketose, das heißt auch die insulin-unabhängigen Komponenten wie Chylomikronen und ASP hatten keine Chance, das zuviel an Fett zu speichern, weil durch Fehlen einer notwendigen weiteren chemischen Verbindung (Glyc.-3-phosphat) die Neufettbildung nicht klappt. Dazu sind Kohlenhydrate notwendig und von den etwa 12 g am Tag in meinem Essen konnte da nicht viel werden, noch dazu weil meine 12g hauptsächlich von Spinat und anderen Blättern stammten, mit etwas Avocado und brokkoli..

Hier hast Du auch den Grund, warum egal wie viel Fett grundsätzlich nicht fett macht, solange nur der Baustoff zum Einspeichern fehlt. Ein guter Marker im Blut für die “de novo lipogenesis” sind die Triglyceride , sie geben Hinweis, wieviel Fett tatsächlich neu gebildet wird bzw. in eine speicherbare Triglyceridform umgewandelt wird. Triglyceride kannst Du im Blut bestimmen lassen. Meine Triglyceride aus dem September , wo ich noch in der High Fat High Calorie Phase abgenommen habe, lagen bei 32! Als Wort: zweiundreißig. Triglyceride gelten als erhöht über 160, ein Wert unter 30 ist nicht mehr messbar und als Erklärung wird bei Laboranalysen dargestellt, dass dieser Wert bei Magersüchtigen auftritt. Magersucht trotz guten 4000 Kalorien am Tag? Hahaha. Da seht ihr, dass doch da irgendwas nicht stimmen kann in der Grundannahme, Fett mache Fett oder Fett essen behindere den Körper dabei, sein eigenes Fett zu verbrennen. Bei der Kalorienzufuhr würden normale Ernährungsberater eine Herzattacke kriegen und Ärzte vermuten, dass der Cholesterinwert explodiert und die Waage zusammen bricht. Und nein: tat er nicht. Alle Ratios waren bei mir im idealen Bereich (neuerdings rechnet man nicht mehr das Gesamtcholesterin, sondern die Ratios der einzelnen Komponenten zueinander.) Das Gewicht ging nach unten. Vor allem ging der Fettanteil runter, sichtbar insbesonders am Bauch. Trotz ungeheuer oder unverschämt viel Fett.

Dennoch funktioniert das Auffetten nicht lange und ist auch nicht nötig. Ich sage Dir warum.

Irgendwann kriegst Du einfach nur das Kotzen davon. Das Hunger/Satt System funktioniert durch die vernünftige Ernährung wieder und hier kommt Dein Körper ins Spiel mit seinem Setpoint: der Setpoint ist gesunken und erfordert nicht so viel Energie, das Abfackeln über Hitzeerzeugung, gesteigerten Bewegungsdrang usw. ist unnötig und nervig und deshalb reguliert unser Körper den Appetit dann soweit runter, dass Du einfach nicht mehr isst, als zum Erhalt des Setpoint Gewichts nötig ist und treibt den Bewegungsdrang an. Deshalb ist Bailors Variante meiner Meinung nach stressfreier, weil Du von Anfang an nicht dazu animiert wirst, künstlich über Deinen Hunger zu essen, um ein bestimmtes hormonelles Signal zu erreichen. 4500 Kalorien 90% aus Fett sind nicht so spaßig, wie die gleiche Menge an Kalorien durch 2 belegte Brötchen am morgen, zwischendurch 2 Schokoriegel, Mittags Lasagne , nachmittags Torte und Abends ne Pizza zu erreichen. Weil natürliches Essen ohne Übermengen an Stärke, Zucker und Transfetten und anderen stimulierenden Substanzen nämlich satt macht. “Fett verbrennen” wird Dein Körper ohnehin langfristig nur dann, wenn Du es geschafft hast, durch die geeigneten Maßnahmen Deinen Setpoint zu senken. Und dann kannst Du Dich 100% darauf verlassen, dass Dein Körper ganz allein und ohne Dein willentliches Eingreifen Deinen Energiehaushalt in Ordnung bringt, in dem er Deinen Appetit und Dein Verhalten steuert. Also Dich zum Essen animiert, wenn Energie fehlt und Deinen Appetit senkt und Dich zappelig macht, wenn Du mehr gefuttert hast, als aktuell benötigt wird.

Die Frage “Also wenn ich sagen wir mal 2000 kcal in Fett esse (80-90% Fettkal.) aber selbst Fett im Körper habe, dann verbrennt doch mein Körper kein eigenes Fett” stellt sich also eigentlich überhaupt nicht. Sie wurde geboren aus falsch verstandener Kalorienbilanz und sie stirbt in dem Moment, in dem der “Setpoint” ins Zentrum des Geschehens rückt. Wer dauerhaft Fett verlieren will, braucht einen niedrigeren Setpoint als den, den sein Körper aktuell gewählt hat. Und Ziel unseres Handelns zum Abnehmen muss einfach nur darauf ausgerichtet werden, den Körper zu überzeugen, dass er risikolos leichter sein kann, als er das jetzt ist. Die denkbar schlechteste Idee, genau dies zu erreichen, ist gegen ihn zu arbeiten und ihm die Energie zu entziehen durch weniger essen und mehr Bewegung. Die Devise lautet: mehr Qualität essen, mehr Qualität beim Sport. Punkt.

Die 80-90% Fett haben den Vorteil, dass Fett selbst immer die Information trägt “Fett verbrennen” – es sei denn, es trifft auch reichlich Kohlenhydrate. Nötig zum Abnehmen ist ein festgelegter Fettanteil aber nicht sondern das Respektieren der eigenen Bedürfnisse des Körpers. Wenn Du anfängst, auf den Setpoint zu vertrauen, kannst Du alles “Hardcore” hinter Dir lassen (so wie ich nun endlich hinter mir), Dich entspannen und Dich darauf konzentrieren, aus echten Lebensmitteln leckere Gerichte zu zaubern und Dich daran satt zu essen.

Kein Hunger mehr, kein Stress mehr, kein Zählen mehr. Nicht ein Mal Kohlenhydrate zählst Du noch bewusst. Du findest dann mit Hilfe Deines Köpers den richtigen Fettanteil in Deinem Essen, der kann durchaus bei 80% Fett liegen, aber auch bei 60%, vielleicht sogar bei weniger. Wir sind alle anders, die Gründe für unseren erhöhten Setpoint unterscheiden sich. Und so auch die Feinheiten in der Lösung – doch die reguliert der Körper mit großer Sichterheit automatisch. Tatsächlich haben wir das verlernt: auf unseren Bauch hören. Wir brauchen Labels auf Essen um zu wissen, ob die für uns gut sind, ob etwas essbar ist. Wir wollen Orientierung in %, was wir wieviel und wovon essen wollen. Wir wollen Kalorienangaben, Gewichtsvergleiche und weiteres Gedöns. Wie kommt es, dass sich die Gattung Mensch 99% ihrer Zeit auf diesem Planeten automatisch schlank halten konnte, so wie noch heute traditionell lebende Urvölker es auch tun, ohne dabei Diabetes, Krebs und wer weiß was noch für Gelumpe zu haben? Glaubt ihr, da diskutiert einer über tierisches oder pflanzliches Protein, Fett ja oder nein, Hähnchenbrust oder doch lieber Ribeye Steak? Oder da sucht einer erst Mal nach einer Betriebsanleitung für Essen? Das ist der einfachste Einkaufstipp überhaupt: wenn Du nur kaufst (und isst), was Du sammeln oder jagen könntest, dann lebst Du vernünftig. Niemand muss dazu zurück in die Höhle kriechen, es gibt eine Menge Vorzüge der Neuzeit, die wir nutzen können. Fertiggerichte, Süßigkeiten, Getreide in großen mengen – all das gehört nicht dazu. Das ist kein Essen, das ist Schrott.

Merke Dir: 500 Kalorien Lasagne haben nicht die gleiche Wirkung auf Deine Hormone wie 500 Kalorien Lachs und Brokkoli. Eine Kalorie ist nicht eine Kalorie. Die Art Deiner Hauptkalorien bestimmt darüber, ob sie Dich langfristig Fett macht oder schlank.

Die vielen Jahre Fehlinformation durch die Milchmädchenrechnung “Kalorienbilanz” hat uns als Menschheit übrigens nicht dünner oder gesünder gemacht. Angefangen etwa 1970, wo die “Kalorienbilanz” samt “Fett ist böse” populär gemacht wurde, steigt in der Statistik der Anteil der Dicken jährlich deutlich an, die Anzahl der Diabetiker steigt an, die Anzahl der Herzanfälle steigt an. Wäre die “Kalorienbilanz” samt “Fett ist böse” ein greifbares Konzept, wie etwa ein konkretes Medikament, würde an Hand der Statisik klar sichtbar sein, dass es nicht nur nicht wirkt sondern offenbar schadet. (Hier kannst Du Bailors Calorie Myth lesen, ebenso Gary Taubes Werk “good calories, bad calories” oder Professor Lustigs “Fat Chance”)

Lowcarb macht Krebs?

Am Abschluss noch ein Link zu einer oft gestellten Frage: immer wieder sind Zeitungsberichte zu lesen, wo (scheinbar etwas desinteressierte) Journalisten an Hand irgendwelcher Studien Meldungen bringen wie “Fleisch fördert Krebs” Oder “Milchprodukte fördern Krebs” etc. und das ganze oft auf eine Lowcarb Ernährung abwälzen und sagen, Lowcarb würde Krebs begünstigen. Wir wissen alle: Journalisten werden für Schlagzeilen bezahlt, längst nicht mehr dafür, ein Thema objektiv zu recherchieren. Sie werden nicht dafür bezahlt, die Schwächen einer Studie aufzudecken, sie werden nicht dafür bezahlt, Definitionen korrekt zu benutzen, sie werden nicht dafür bezahlt, überhaupt zu wissen, wovon sie da schreiben.

Wenn Dich diese Themen persönlich betreffen, dann rate ich Dir zum Thema Krebs und tierisches Protein dazu, die aktuellen wissenschaftlichen Arbeiten zu beachten beispielsweise zum Thema “Lowcarb Ernährung gegen Krebs” zu recherchieren. Oder beispielsweise auch den Stoffwechsel von verschiedenen Tumorzellen zu betrachten. Du kannst Dich auch damit beschäftigten, die Schwächen der Studien zu entdecken, deren “Aussagen” Dich schocken (und auch die, deren Aussagen Dir besonders gefallen!). Es kann interessant für Dich sein, die Erfolge ketogener Ernährung (superlowcarb) in der Krebsprävention (insbesondere brustkrebs, Prostatakrebs, Darmkrebs) bei familiärer Vorbelastung und noch wichtiger, die lebensverlängernde , tumorhemmende Eigenschaft dieser Ernährung der Krebstherapie zu recherchieren.

Was der Professor sehen will, wird er sehen

An der China Studie sieht man, dass das vom Studienentwickler erwartete Ergebnis so stark Einfluss auf das Ergebniss hat, dass dabei Kauderwelsch raus kommt. Dass die China Studie komplett andere Aussagen in ihren Rohdaten unterstützt, als die Behauptung von Campbell, dass tierisches Protein Krebs erzeugt, haben wir erst Jahre später erfahren und glaubt mir, es gibt immer noch genug Leute, die dumm genug sind, Campbells Ergebnis zu trauen ohne sich die Rohdaten anzusehen oder die Doktorarbeit von Denise über eben diese Studie.

Anderes gutes Beispiel ist Ancel Keys Studie, die vor langer Zeit dazu führte, dass Fett als böse angesehen wurde. Dabei hat auch er mit den Rohdaten – in dem Fall ausgewerteten Ländern – so jongliert, dass die von ihm gewünschte These raus gekommen ist. Fett macht Fett und krank. Wenn man jedoch alle Daten in die Auswertung mit einbezieht, und so wird das nun Mal bei einer weltweiten Studie gemacht, man kann da nicht selektiv die Länder nehmen, die die eigene These unterstützen. Es sei denn, man ist ein Lügner. Werden alle Daten mit einbezogen, ist Ancel Keys Ergebnis komplett haltlos, nix da Fett ist böse. Industriefutter ist böse.

Es ist also wahnsinnig wichtig, sich selbst immer gut zu informieren und immer weiter zu recherchieren und zu gucken, was für neue Erkenntnisse dazu gekommen sind und welche uns helfen können. Und welche eben nicht. Und dazu gehört, dass Du bei Beiträgen in ganz bekannten Zeitungen aber auch TV Sender immer daran denken musst, dass eine Schlagzeile dort wichtiger ist, als solide Grundinformation und intensive Recherche. Schlagzeilen sind nett für die Kaffeepause, jedoch wird in einer Schlagzeile nie etwas stehen, was Dein Leben nachhaltig verändern könnte.

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen viel Erfolg und immer das richtige Händchen, für Euch den richtigen Weg zu suchen. Ich muss jetzt was essen, ich bin dermaßen hungrig nach dem ganzen Geschreibe 🙂

 

**UHU = unter hundert Kilo. Diese Bezeichnung ist eine magische Marke bei Übergewichtigen.

*** Auch wenn wir bei Kohlenhydraten unterscheiden zwischen einfachen Kohlenhydraten wie Zucker, Weißmehl und komplexen Kohlenhydraten aus Vollkorn, Hülsenfrüchten – besteht für unseren Körper letztenendes dieser Unterschied nicht. Jedes Vollkornbrot endet genauso, wie Würfelzucker: nämlich als Glucose.

**** Verzicht auf Stärke und Zucker lässt uns gleich an Lowcarb denken. Das ist nicht ganz richtig, denn durch die hohe Menge an stärkefreien Gemüse wird durchaus eine beachtenswerte Kohlenhydratmenge aufgenommen, die lediglich nicht so überdosiert ausfällt, wie die Getreidebetonte typische westliche Ernährungsweise. Genau aus diesem Grund wird fälschlicherweise Paleo immer mit “lowcarb” bezeichnet, weil viele Leute zu dumm sind, um Kohlenhydrate jenseits von offensichtlichem Zucker und Getreide als “Kohlenhydrat” anzusehen.

***** LCHF: Lowcarb (wenig Kohlenhydrate) Highfat (viel Fett)

 

Protein Donut Lowcarb – Haselnuss Schokoladen Donut Rezept

Protein Donut Rezept ohne Kohlenhydrate mit gutem Fett aus Haselnüssen oder Mandeln und 10 Gramm Eiweiß pro Portion. Gesunde Donuts genießen ohne Reue ist mit diesem Rezept für Proteindonuts möglich. Natürlich ist es Lowcarb und enthält einen moderaten Fettanteil, der hauptsächlich aus Eigelb und Haselnuss stammt.