Bei diesem Beitrag handelt es sich um einen Post auf dem Yourdietangel Blog. Seit den Anfängen meiner Bloggerzeit habe ich eine Menge dazu gelernt. Die alten Inhalte entsprechen nicht mehr zwangsläufig meiner aktuellen Meinung. Der Artikel enthält Affiliate Links /Werbelinks.

Achtung, der Altartikel ist nicht neu formatiert. Die Übersichtlichkeit aus den Anfängen meiner Blogzeit war etwas … naja 🙂

“Diäten: Lowcarb erhöht das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall” (Spiegel)oder Herzinfarkt und Krebs: US Mediziner warnen vor rotem Fleisch. Low Carb: Die Diäten Lüge. Lowcarb Diäten haben in den Medien einen sehr schlechten Stand. Es vergeht kaum ein Tag, an dem ein windiger Journalist aus irgendeiner angeblich ganz aktuellen, neuen , besorgniserregenden Studie blinkende Überschriften ins die Welt pfeffert und damit bei einigen von Euch Besorgnis auslöst.

Ich möchte in diesem Artikel nicht spezifisch und millionen Seiten lang auf einzelne dieser Studien eingehen – das haben brillante und eloquente Menschen überall auf der Welt schon getan, besonders großer Fan bin ich von Denise Mingers großartiger und sehr detaillierter Auswertung der üblichen “Verdächtigen” unter den Studien. Ich verlinke Euch unten in diesem Artikel (sofern verfügbar) die Originalstudien und Denises Auswertungen/Analysen dazu. Dort könnt ihr Euch selbst ein Bild machen, was an den “Terror Nachrichten” denn so dran ist.

Hier bei mir gehts darum, wie gefährlich tierisches Protein wirklich ist und was wir tun können, um möglichst gut dabei weg zu kommen.

Das ist übrigens ein Request, diverse “boulevard” Magazine – wie mittlerweile Spiegel und Konsorten auch schon genannt werden müssen, bringen ständig “Negativschlagzeilen” die Euch irgendwie betreffen und zu denen ihr meine Meinung wollt. Ich versuche das so gut wie möglich hier für Euch zusammen zu stellen.

Eine Studie ist nur so gut wie ihre Daten

Für alle der üblichen Studien gilt, dass sie ein relativ vergleichbares System der Datenermittlung haben. Studie klingt ja so unheimlich genau, als ob die ermittelten Daten absolut verlässlich sind. Ich habe da mal eine kleine Frage an Dich: sag mal, was hast Du denn im letzten halben Jahr gegessen? (Und hey, die Mitternachtspizza und die Dose Eiscreme aus Frust wird ebenso wenig verschwiegen wie Dein geheihes Hobby, vor dem Fernseher zu snacken obwohl Du das eigentlich nicht mehr tun wolltest). Vergessen gilt auch nicht!

Wie genau könntest Du sagen, was Du im letzten halben Jahr alle so gefuttert hast? Ohne dabei die kleinen unbemerkten Snacks zu vergessen, den Latte Macciato hier, die drei Kekse im Vorbeigehen da, die Scheibe Wurst aus dem Kühlschrank, die Du Dir aus Langeweile reingezogen hast? Selbst Leute wie wir, die weitgehend ohne Snacks leben, wären mit dieser Fragestellung nicht annähernd genau. Was noch schwieriger ist: wir wären alle unterschiedlich stark ungenau, es ist statistisch überhaupt nicht möglich, die Ungenauigkeit einer Personenbefragung vorherzusehen. Eine Studie (3) aus 2013 hat sicher dieser Thematik angenommen und versucht herauszufinden, wie “genau” die NHANES Umfragen der USA sind. Dabei handelt es sich um Umfragen dieser Art, unter anderem lieferte eine solche Umfrage (NHANES III) die Daten, die zur These führten, dass ein hoher Eiweißverzehr zu mehr Krebs und Herzinfarkten führt – zumindest bei Personen unter 66 – bei älteren Menschen wirkt es widerum positiv auf die Erkrankungsrate.

 

Die Studie zur Genauigkeit von Befragungen wie sie beim NHANES Modell durchgeführt werden, hat folgende Erkenntnis gebracht:

[…] The greatest mean disparity values were −716 kcal/day and −856 kcal/day for obese (i.e., ≥30 kg/m2) men and women, respectively. […]

Platt gesagt verschätzen wir uns täglich um 700-850 Kalorien, und zwar liegen wir im Schnitt so weit unter der tatsächlichen Kalorienmenge. Je fetter der Befragte, je größer die Diskrepanz zwischen geschätzter und tatsächlicher Kalorienmenge. Amerikaner und ihre Studien: jeder, der ein paar Mal die schräge “Alexa” Ernährungssendung im TV gesehen hat, kennt das dort etwas überzeichnet dargestellte System, wo sich die Kandidaten meist um 2000 Kalorien und mehr verschätzen. Alter, da brauchste doch keine Studie.

Unsere interne Lebensmittel-Blacklist – so schummeln wir

Weißt doch jeder. Dinge, die wir für gesund und okay halten, werden selbstverständlich mit im Ernährungstagebuch geführt oder bei der Befragung erwähnt. Der Apfelplunder auf dem Weg zur Arbeit, den wir eigentlich nicht essen wollten, aber dann nahm er uns als Geisel und zwang uns, ihn zu essen – oder der Cookie by Subways, dem wir einfach nicht widerstehen konnten, der verführerische Starbucks Grande Latte mit extra Haselnuss Sirup aufgebrüht von dem scharfen Typen mit den blauen Augen, die kleine Nascherei, die wir bei der Tankstelle an der Kasse gekauft haben wegen der hübschen Verpackung (und dieser während der Fahrt dann auf den Grund gegangen sind, bis die Tüte leer war) oder eben auch die Chips, die wir uns auf Autopilot vor dem Fernseher hinter die Binde zwiebeln oder die zwei Liter Cola, die schon wieder in uns verschwunden sind ohne dass wir es überhaupt merken – das landet alles auf unserer geistigen Blacklist. Alles was auf der geistigen Blacklist steht, verschwindet im schwarzen Loch des Vergessens und hat also faktisch Null Kalorien. Also zumindest bei einer Befragung. Bei einer Befragung hat es auch Null Kohlenhydrate, Null Fett und Null von allem, einschließlich Null Wirkung auf unsere Gesundheit und Figur. Das Problem: es wird sich um Klassen bei den Kalorien verschätzt, wie genau können dann die Angaben zu Eiweiß, Kohlenhydraten und Fett sein? Darf eine Studie so viele Unbekannte in ihren Daten hinnehmen? So eine Befragung zeigt doch nur, wie der Verbraucher glaubt, wie eine gute Diät sein sollte mit ein klein wenig “Realität” als Zuschuss damit der Befrager die Antworten glaubt.

Wie auch immer: diese Sache zeigt einfach nur, dass ein Gedächtnisprotokoll als Grundlage zur Erzeugung von Studienergebnissen nicht geeignet ist. Die ganz aktuelle Studie aus Österreich (ich schrieb darüber), die zum Ergebnis gekommen ist, dass Vegetarier! mehr als doppelt so häufig and Krebs und Herzinfarkt leiden als Viel-Fleisch Esser ist da ein gutes Beispiel. Vergleichbarer Datensatz, mit ein wenig Mathematik und Zahlen-hin-und-her Schieben wird eine These erzeugt, die mal in die ganz andere Richtung ausschlägt, nämlich in diesem Fall kriegt der Pflanzenfreund mal auf den Sack. Das ist zwar mal eine schöne Abwechlung, da aber auch mit dem österreichischen Datensatz durch ein bisschen Mathespielerei die Antithese erzeugt werden kann, in der dann der Fleischfresser wieder der “Kränkere” ist, möchte ich eine Sache mal klar aussprechen, wie ich sie empfinde:

Aufruf an alle Schlaumeier

Könnt ihr Schlaumeier diese Scheiße nicht mal lassen? Oh man, da wird man als Endverbraucher doch schon allein aus Stress krank, heute so, morgen so – vorgestern war Fett der Feind, gestern waren es die Kohlenhydrate, heute ist es das Eiweiß. Vorgestern war tierisches Protein böse, gestern war es pflanzliches Protein und Vegetarier, heute ist es wieder das rote Fleisch oder das Milchprotein (Casein).

Was ist morgen? Das kommt mir vor wie die Reise nach Jerusalem mit den Teletubbies und nervt mich vor allem deshalb endlos, weil Journalisten mit Hunger auf Schlagzeilen – (verständlich, ist ihr Job!) – dann Artikel schreiben, die Beobachtungsstudien (observational studies) behandeln, als wären da wirklich Ergebnisse auf dem Tisch und nicht nur Gedächtnisprotokolle von beispielsweise vor 15-16 Jahren (1) mit Hilfe verschiedener statistischer Techniken in ein neues Gewand gepresst worden sind. Es wird aus diesen Studien das Prinzip von Ursache und Wirkung interpretiert, während es lediglich das gleichzeitige Auftreten zweier Datenpunkte bedeutet. Ein gutes Beispiel hatte Constantin (pinkpaleo) genannt, um das Dilemma zu verstehen, in dem sich eine Beobachtungsstudie befindet: wenn in einem Ort A der Rückgang der Geburten beobachtet wird und gleichzeitig der Rückgang der Storchen – würde im Falle einer Beobachtungsstudie klar feststehen: der Storch bringt doch die Kinder! Weißte bescheid, scheiß auf Folsäurekapseln, Hormonyoga, Zyklustee, Ovulationstests und Kinderwunschkliniken – kidnappe einen Storch und erpress ihn! Yikes. Ich finde es ist durch das Beispiel mit dem Storch gut sichtbar, dass ein gleichzeitiges “Beobachten” von zwei Dingen nicht dafür spricht, dass die Dinge ursächlich miteinander verknüpft sind.

Schwedische Lowcarb Studie handelt nicht von Lowcarb

Sogar kritische Infos entgehen den Journalisten – beispielsweise dass es in der Studie der Schweden (1) (Spiegel) noch nicht Mal um Lowcarb ging! Es ist keine Studie zu Menschen, die wirklich Lowcarb essen – ernsthaft! Die “sparsamsten” Damen kloppten sich immer noch circa 130g Kohlenhydrate in den Kopf. Das ist nur dann Lowcarb, wenn das die Menge für 2 Personen ist.

Ansonsten ist das “medium” Carb, obwohl es so eine Bezeichnung ja nicht gibt. Es ist etwa 50g mehr, als ein LOGI Anhänger verzehren würde – und LOGI gehört zur tendenziell “kohlenhydratreichen” Lowcarb Variante. Ich als Ketarier liege täglich unter 20g Kohlenhydrate, d.h. die essen pro Tag so viele Carbs wie ich innerhalb von 6 Tagen und nennen das Lowcarb? What the fuck?!?!

Über den nächsten Denkfehler, dass Lowcarb = High Protein ist, können wir alle wohl nur recht einheitlich den Kopf schütteln. Während das in den Anfängen der meisten Lowcarber vielleicht noch so ist – wegen der Furcht vor Fett, die uns über Jahrzehnte der Gehirnwäsche eingebläut wurde – gleicht sich das Verhältnis sehr schnell zugunsten eines höheren Fettgehaltes aus. Sicher wird nicht jeder Lowcarber bei einem straighten LCHF mit 80-90% Fett landen, aber im Lowfat Highprotein Bereich kannste geschmacklich ganz schnell Deine Tickets für “Spaß am Leben” und “Genuß” auf dem Flohmarkt verkaufen und immer schön trocken die Hühnerbrüste, Thunfisch in Wasser und Eier ohne Eigelb runterwürgen. Hmmmm, jammy. Pappessen. Was schon mit Kohlenhydraten nicht gerade lecker ist (Lowfat), wird sicherlich ohne Kohlenhydrate nicht unbedingt leckerer. Das gute daran: das macht keiner lange. Das schlechte daran: das interessiert die Studie auch nicht, die guckt stur 15 Jahre später nach dem Gesundheitszustand und nagelt den fest auf diese eine einzige Befragung. *augenrollen*

Aber war da nicht noch die China Studie?

Och, nicht ernsthaft schon wieder so ein Reizwort. Ich möchte bitte nie wieder über die China Studie reden müssen. Denise Minger hat die Rohdaten der Studie angeguckt und aufgedeckt, wie Campbell (Kopf hinter China Study) sich durch die Studie “gerechnet” hat – und wie er Ergebnisse erzeugt hat, die stark beweifelt werden dürfen. Während ich bereits bei ihrem “The China Study – Fact or fallacy” verstanden habe, dass der Hase so nicht läuft, hat Denise in ihrem neuesten Artikel “One year later – The China Study – revisited and re-bashed” noch mal brillant nachgelegt für alle, die noch mehr Kugeln für ihre Geschosse suchen. Zwischen vielen interessanten weiteren Informationen hat mich eine weitere Studie besonders interessiert, die aus der gleichen Datenquelle wie “The China Study” ihr Leben eingehaucht bekam und tadaaaaa – mit Campbell himself an Board. Und glaub es oder nicht: er widerspricht sich mit den Studienergebnissen dieser Studie selbst. Der in “The China Study” gut weg gekommene Weizen taucht plötzlich doch als Verursacher von Krankheiten auf. Autsch. Als er damals Denise`s Kritik an “The China Study” damit kommentierte, dass der von ihr aus den Rohdaten ermittelte Zusammenhang zwischen Weizenkonsum und Herzerkrankungen nicht nachvollziehbar sei, hat er noch anders gedacht.

Nichts gegen die Änderung einer Meinung, das ist sogar prima. Dazulernen kann jeder, oder? Nehhh, wohl doch nicht. Leider hat Campbell erst kürzlich trotzdem wieder seine alte Leier gesungen in “The Low Carb Fraud” – das ist übrigens eines der wenigen kindle ebooks, die ich bei Amazon zurück gegeben hätte. Und zwar wegen “fraud” anderer Art. Ich habe erwartet, dass er neue Erkenntnisse hat, hat er nicht. Neues Buch, alter Inhalt. Hätte er auch gleich “the China Study” noch mal raushauen sollen. Er hat nur noch mal das alte Lied vom Tod durch tierisches Eiweiß gesungen. Für uns bleibt unterm Strich die Assoziation mit der China Studie wohl bei “Soja, Weizen und Kasein (Milchprotein) essen wir besser nicht”. Ansonsten ist diese Studie bei mir unter “Wenn ich noch eine Mail oder einen Kommentar dazu kriege, hänge ich endgültig kotzend über der Schüssel” abgespeichert.

Aber hat die neue Studie (2) nicht neben den Befragungen auch mit Mäusen experimentiert? Das gibt doch bestimmt genauere Ergebnisse.

Ja, die Wissenschaftler haben sich richtig Mühe gegeben und mit Mäusen experimentiert. Die Ergebnisse entsprachen ihren Erwartungen und stützten ihre Thesen. Interessant ist die “Nahrung”, mit der die Testmäuse gefüttert worden. Für diese Info bin ich Denise auch mal wieder sehr dankbar, ich wäre da allein vielleicht nicht gleich drauf gestoßen. Folgende Leckerei haben die Wissenschaftler benutzt, um die Mäuse zu füttern (HIER PDF):

Corn starch (397 g) (Mais Stärke)
Casein (200 g) (Milchprotein)
Maltodextrin (132 g) (leicht verfügbare Kohlenhydrate, wasserlösliches Kohlenhydratgemisch)
Sucrose (100 g) (bei uns bekannt als Saccharose aka Haushaltszucker)
Soybean oil (70 g) (Sojaöl)
Cellulose (50 g) (Zellulose)

Zu essen bekamen die Mäuse also nichts, stattdessen gabs aus Frankensteins reichem Labor-Gabentisch isolierte Nahrungsbestandteile, darunter massig Stärke und Zucker und ein Protein, dass für seine krebsfördernden Eigenschaften bekannt ist. Gerade das Casein ist ein interessantes Produkt, das in der Natur isoliert nicht vorkommt. Es ist in der Milch das Hauptprotein und kommt im Ursprungsprodukt zusammen mit Molkenprotein. Das Molkenprotein gleicht die “bösen” Effekte von Casein weitgehend aus, wenn es sich nicht um ein pasteuriziertes Milchprodukt handelt. Da liegt bei mir natürlich die Frage auf der Zunge: wurde dieser Punsch so zusammen gestellt, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzeugen? Da krieg ich ja beim Durchlesen schon Wucherungen … Und wie auch immer diese Nahrungsbestandteile mengenmäßig kombiniert sind, hat wohl bis auf die Zellulose – also gewissermaßen “Taschentuch” Material, in egal welcher Kombination negative Wirkungen.

Wie betrifft das uns?

Gucken wir mal auf uns, also es geht ja eigentlich darum, wie sehr wir tatsächlich durch unserer Ernährung gefährdet sind. Wir essen aber weder Maisstärke, Maltodextrin, Sucrose, Sojabohnenöl und auch keine Zellulose, wobei die mehr oder weniger egal ist. Ist nämlich für den menschlichen Organismus unverdaulich. Tatsächlich ein kritisches Auge schenken wir dem Casein, die meisten von uns wissen: Milchprodukte sind nicht ideal – der größte Teil unserer Community beschränkt sich im Alltag auf Butter und Sahne, sehr selten gibt es andere Produkte aus der Milchabteilung und Käse (Casein reichstes Produkt) kommt sparsam auf den Tisch oder gar nicht.

Dazu wissen wir, dass unser Körper mit Eiweißen und Fetten anders umgeht (und umgehen muss) wenn er seine Energie nicht aus Kohlenhydraten bekommt. Ein schönes Beispiel ist der Einsatz der ketogenen Diät zur unterstützenden Therapie für Krebspatienten (4) – die Thesen der Forscher widersprechen mit ihren Ergebnissen ebenfalls der These, dass es das tierische Protein per se ist, dass Krebs auslöst. Wie kann etwas das Wachstum von Krebs hemmen, in dem es den Krebszellen die Nahrung entzieht (Krebszellen sind weitgehend “Zuckerverbrenner”!) und gleichzeitig Krebs verursachen (tierisches Protein ist ein Basislebensmittel in der Studie 4)? Gegensätzliche Studienergebnisse markieren für mich vor allem immer eine Vermutung: es fehlt uns insgesamt eine Menge Wissen, um die Zusammenhänge zu verstehen. Mit “uns” meine ich auch die Wissenschaftler. Neue Forschungsbereiche wie etwa epigenetik sind vielversprechend und dennoch so neu, dass sie fast im Dunkeln liegen – aber einen wichtigen Schlüssel liefern, wie unsere Umweltbedingungen auf unsere Gene einwirken und wie das zu Krankheiten führt (oder eben nicht).

Zwei weitere Studien geben Hinweise darauf, was wirklich schief läuft in unserer Ernährung

Unheimlich spannend fand ich zwei weitere Studien, die ich auch erst bei Denise gefunden habe. Ich gebe zu: ich suche selbst selten nach Studien sondern lese in Büchern oder Artikeln über Studien und gucke mir dann die Studie im Original an (sofern möglich), um mit ein Bild zu machen, ob es sich um Gewäsch handelt oder ob ich wirklich etwas interessantes ableiten kann. Und diese zwei Studien, die Denise da ausgebuddelt hat, sind wissenswert für uns alle. Sie enthalten auch einen kleinen Funken Wahrheit in Bezug auf das (tierische) Protein: jahaaaa, Eier, Fleisch aber auch Produkte wie Soja, Quinoa, Weizen etc. haben das Zeug dazu, unser Leben zu verkürzen. Oder zumindest das von Labortierchen.

Steak, Ei und Soja doch gefährlich?

Schock schwere Not- erst schreibt sie, alles kein Problem, ruhig bleiben, sagt die China Studie hat doofe Ohren und überhaupt, ich sitz hier und will gerade in mein Steak beißen und dann steht hier, dass Protein doch zum Sargnagel werden kann? Muss ich jetzt doch vegan werden und freudlos an Salatblättern kauen und mir merkwürdiges Ersatzessen für alles mögliche ausdenken? Soy Latte trinken und darüber nachdenken, ob der ranzige Geschmack nur von den oxidierten Omega 6 Fetten kommt oder ob es die giftigen Rückstände aus der chemischen Herstellung sind? Bin ich verdammt, beim Grillen nur noch Gummischläuche aka Sojawürste zu brutzeln? Ach ne, Soja ist ja auch illegal. Also sagen wir mal, bin ich verdammt, den Rest meines Lebens nur noch Blätter zu kauen?

Immer langsam mit den jungen Pferden. Bei den Studien, die Denise ausgebuddelt hat, handelt es sich um zwei Studien zu jeweils unterschiedlichen Aminosäuren. Methionin und Glycin. In der Studie (6) zu Methionin fanden Wissenschaftler heraus, dass eine Methionin reduzierte Ernährung ohne Kaloriensparen oder Eiweiß sparen die gleichen Effekte auf Langlebigkeit hatten, die bisher nur für Eiweißverzicht und allgemein einer stark kalorienreduzierten Ernährung möglich waren. Methionin ist eine Aminosäure, die in großen Mengen in Ei*, Käse, Fisch, Fleisch und Geflügel vorkommt, aber auch in Soja, Quinoa, Weizen in einer Menge, die ziemlich ordentlich ist (höher als Rindfleisch). Auch die “Sojafutterer” erfahren also, dass weniger Methionin, also genau genommen weniger Eiweiß das Methionin enthält, zu einem längeren, gesünderen leben bei Nagetieren führt. Also müsste weniger Ei, Fleisch, Soja, Quinoa, Weizen und Geflügel/Fisch die Lösung sein?

Die Geschichte endet hier jedoch nicht, sondern wird noch spannender. Die Forschung (7) einer anderen Wissenschaftlergruppe mit der Aminosäure Glycin kam zu dem Ergebnis, dass eine Supplementierung mit der Aminosäure Glycin die gleichen lebensverlängernden und gesundheitlichen Effekte bei den Nagern zeigte, wie das Vermeiden von Methionin. Jetzt kommt der Oberkracher, für alle die nicht wissen, wo Glycin enthalten ist: Glycin findet sich reichlich in Gelantine, Brühe (gekocht aus Knochen und Fleisch), Haut, einigen Organen usw. Here we go – Glycin gehört traditionell eigentlich bei jedem Fleischesser mit auf den Tisch, wie es früher auch praktiziert wurde. Das ganze Tier wurde verwertet, zu Suppen gekocht oder anderweitig zu üblichen Gerichten verwurstet. Heute bevorzugen wir alle Muskelfleisch, reich an Methionin, mehr oder weniger “unterversorgt” mit Glycin. Manche gucken schon blöd, dass ich Ribeye jedem Filet vorziehen würde. Und das ist auch wesentlich Muskel. Eigentlich haben diese Teile schon immer zusammengehört, Knochen, Bindegewebe, Organe, Muskeln – da verhält es sich ähnlich wie mit dem Casein in der Milch und dem Molkenprotein (Whey). Als “ganzes Lebensmittel” sind “gut und böse” in Balance, wenn man sie dauerhaft trennt (bei Milch zum Beispiel der Fall bei Käse!) und davon viel isst, muss man sich nicht über Folgen wundern. Für Pflanzenfresser wird es etwas enger mit der Glycinversorgung, weil es schwieriger ist, das methionin einiger pflanzlicher Produkte auszugleichen mit Glycin aus der Pflanzenwelt, weil das schwieriger verwertbar ist für den Menschen. Wer jetzt nicht übermäßig viel Soja (ist am “schlimmsten”) reinhaut, wird aber auch keine größeren probs haben.

Was heißt das für uns?

 

Gehen wir davon aus, die Mäuseexperimente übertragen sich auf den Menschen – für uns heißt das: unser “Getue” mit den selbst gekochten Brühen aus Knochen und stark bindegewebshaltigen Fleischteilen (halt Suppenfleisch) hat nicht den Zweck, Leute mit Brühwürfeln wie dumme Deppen dastehen zu lassen. Nun ja, das ist gewissermaßen ein Zitat aus einer Mail, die ich diesbezüglich erhielt (ehrlich: wer nicht weiß, dass Hühnersuppe aus Huhn und nicht aus einem Würfel gemacht werden kann, ist ein dummer Depp. Ohne Sorry). Tatsächlich ist durch diese kleine Maßnahme des Selbstkochens gesichert, dass unsere Soßen, Suppen und Brühen reichlich von einer Aminosäure liefern, die wir unbedingt für den Ausgleich unseres Methionin Konsums brauchen.

Genausowenig dient der Genuss von Organen in unserem Speiseplan dazu, uns mit elekigen Essgewohnheiten maximal vom Normalo abzuspalten sondern hilft dabei, die natürliche Balance wenigstens ansatzweise in unser Leben zurück zu bringen, die ein Mal da war. Ich würde sagen, sogar zu Großmutters Zeiten noch – da muss niemand in die Steinzeit gucken. Ich erinnere mich daran, wie meine Oma sich immer über Schweineohren, Ringelschwänzchen oder auch Schweinefüße gefreut hat. Wir Kinder bewunderten das irgendwo zwischen der Faszination, wie Du sie im Zirkus erlebst, wenn sich die total biegsame Frau einen Knoten ins Gestell wickelt. Sie ist so verknotet, dass Du sie für eine bayrische Bretzel hältst – und das war kombiniert mit dem Ekel den man hat, wenn jemand was Unappetitliches isst. (zum Beispiel Erdnüsse aus einer offenen Schale an einer Bar —puh da könnte ich kotzen. Da hat doch wer weiß wer mit seinen ekelhaften nackten Fingern schon drin rum gewühlt *sick*).

Mein Fazit zu (tierischen) Proteinen:

Genau hier sehe ich auch des Pudels Kern der ganzen Problematik mit den “täglich-grüßt-das-Murmeltier” Studien. Ich glaube nicht, dass ein einzelner Makronährstoff oder eine bestimmte Art von Protein Dich krank macht. Ich als soja verachtender , fleisch liebender Ketarier sage hier ganz offen: ich glaube das auch nicht von Kohlenhydraten, ich glaube das nicht von Soja und auch nicht von Weizen. Ich glaube das, was uns heute wirklich krank macht, ist der Überschuss und die Möglichkeit, uns gezielt für isolierte Nahrungsbestandteile zu entscheiden. Wir können heute ständig Muskelfleisch essen, immer nur Filet, Schnitzel, Kotlete. Dann gibts Suppe aus Brühwürfeln, Milch pasteurisiert, homogenisiert oder von ihrer Molke befreit. Wir leben unheimlich weit weg von unserer Natur, weitgehend befreit von Jahreszeiten und Phasen von Knappheit eines Nährstoffs oder eben Überfluss eines anderen. Ich will mich da nicht herausnehmen. Ich esse zwar hauptsächlich “ganze Lebensmittel” und kaufe die beim Bauern in der Region, aber ich liebe Whey Shakes und manche andere “modernen” Isolate. Ich kaufe mir Avocados und manchmal sogar Erdbeeren – Avocados wachsen hier nicht, Erdbeeren sind jetzt noch außerhalb der Saison.

Ob mich da die regelmäßige Knochenbrühe rausreißt? Oder das Kollagen hydrolysat, dass ich für meine Gelenke täglich ergänze? Ich weiß es auch nicht. Vielleicht ja, vielleicht nein. Das werde ich beobachten müssen, hoffentlich über die nächsten 165 Jahre 😉 Aber wisst ihr was ich noch wichtiger finde: dass wir die Zeit, die wir haben, genießen können. Dass wir uns nicht ständig von der neuesten Pi Pa Po Studie in Sorge versetzen lassen, mit unserer Ernährung könnten wir uns umbringen, krank machen, schlechter da stehen als jemand anders. Es gibt darauf keine allgemeine Antwort, es gibt auch keine Möglichkeit, eine wirklich vernünftige Langzeitstudie am Menschen aufzusetzen, um es herauszufinden. (Wer von uns würde gerne 15 Jahre in einem Labor leben, überwacht dass auch ja nur das vereinbarte Futter über die Lippen kommt, zum Sport oder zur Faulheit gezwungen, zum Rauchen oder Nichtrauchen – alle Faktoren müssten von “außen” kontrolliert werden. Und das würde wahrscheinlich so einen psychischen Stress verursachen, dass bereits nach einem Jahr alle an Herzinfarkt gestorben wären…)

Und selbst wenn wir es herausfinden würden, wer weiß, ob wir es wissen wollten. Lebenszeit ist weniger wichtiger als Qualität, und Qualität – darüber bestimmen wir selbst. Ob nun mit oder ohne tierisches Protein, ob Super Highcarb oder Lowcarb, oder Lowfat oder meinetwegen die Kiwidiät immer Montags, wo Du alles essen darfst außer Kiwi. Shit happens, life happens. Und verrückte Beobachtungsstudien mit Fragebögen und Telefoninterviews gehören zur Kategorie “shit”. Weißte bescheid, das waren meine bescheidenen zwei Cent zum Thema “Lowcarb tötet”.

Ich wünsche Euch einen schönen Tag und vor allem sehr viel Zufriedenheit mit Eurem Leben. Das ist wichtiger als jede Studie!

Links / Titel der Studien, Lesemepfehlungen, Anmerkungen

* Ich habe versucht, eine Aufsplittung der Methionin Gehalte für Eiweiß und Eigelb getrennt zu finden. Leider gab es das nur für die getrockneten Äquivalente, also 100% Eigelb Pulver und 100% Ei-Eiweiß Pulver. Dabei hat das Eiweiß mehr als die doppelte Menge Methionin. Die Autoimmunler von uns sind also weniger betroffen von der Methionin Problematik

1. Low carbohydrate and high protein diet and the incidence of cardiovascular diseases in swedish women: prospective cohort study

BMJ 2012; 344 doi: http://dx.doi.org/10.1136/bmj.e4026 (Published 26 June 2012)
Cite this as: BMJ 2012;344:e4026

2.
Low Protein Intake Is Associated with a Major Reduction in IGF-1, Cancer, and Overall Mortality in the 65 and Younger but Not Older Population

3. Validity of U.S. Nutritional Surveillance: National Health and Nutrition Examination Survey Caloric Energy Intake Data, 1971–2010

4. Is there a role for carbohydrate restriction in the treatment and prevention of cancer?

5. Association of dietary factors and selected plasma variables with sex hormone-binding globulin in rural Chinese women (PDF) by Jeffrey R. Gates, Banoo Parpia, T. Colin Campbell, and Chen Junshi.

6. Lowered methionine ingestion as responsible for the decrease in rodent mitochondrial oxidative stress in protein and dietary restriction possible implications for humans.

7. Dietary glycine supplementation mimics lifespan extension by dietary methionine restriction in Fisher 344 rats

Leseempfehlungen in Denises Blog (englisch)

New animal protein study

Are Lowcarb Diets killing sweden?

The China Study

Käse Schinken Proteinbagels zum Vatertag

Proteinbagels mit Käse und Schinken sind eine herzhafte Variante des Eiweißbagels und eignen sich hervorragend zum Grillen. Meinem Mann hat dieses Rezept so gut geschmeckt, dass ich es nicht schaffte, ordentliche Blogfotos zu schießen. Die Dinger waren alle, bevor ich mit den Dekoblumen vom Blumenladen zurück war. Das spricht ja dafür, wie lecker diese Eiweißbrötchen sind und deshalb habe ich sie für den Vatertag als Rezeptvorschlag geplant.

Protein Donut Lowcarb – Haselnuss Schokoladen Donut Rezept

Protein Donut Rezept ohne Kohlenhydrate mit gutem Fett aus Haselnüssen oder Mandeln und 10 Gramm Eiweiß pro Portion. Gesunde Donuts genießen ohne Reue ist mit diesem Rezept für Proteindonuts möglich. Natürlich ist es Lowcarb und enthält einen moderaten Fettanteil, der hauptsächlich aus Eigelb und Haselnuss stammt.